Befinden sich in Ryanair-Triebwerken oder an Triebwerksaufhängungen Sprühdüsen?

Die Sprühdüsen der Ryanair
Quelle: tanker-enemy.com

Natürlich nicht. Irgendein Chemtrail-Gläubiger hat mal in einem Triebwerk einer Ryanair-Maschine ein paar Röhrchen gesehen und einen Schreck bekommen, weil man sich ja lieber mit Streifen statt mit Flugzeugen beschäftigt. Und auf einmal hieß es, in Ryanair-Maschinen seien Sprühdüsen. Dabei handelt es sich um einfache Sensoren (siehe Power Plant – B737), die an manchen Triebwerken, u. a. dem CFM56-3, verbaut sind.

Hätte man mal die Augen aufgemacht und sich Triebwerke genauer angesehen, hätte man sie noch öfter gefunden. Ein paar Beispiele:

Selbst Rechtsanwalt Storr von der sogenannten Bürgerinitiative „Sauberer Himmel“ war nicht in der Lage, das herauszufinden. Nun war es naheliegend, sich an jemanden zu wenden, der es wissen müsste. Deshalb hatte er einen Schriftwechsel mit der Fluggesellschaft Ryanair. Man kann sich vorstellen, wie der Schriftwechsel verlief; jedenfalls hat er erst spät die Information erhalten, dass diese Röhrchen bei diesen Triebwerken normal sind. Hätte er etwas mitgedacht, wäre er schneller zu einem Ergebnis gekommen - er hat sich einfach an die falschen Leute gewendet und sich wahrscheinlich auch wieder beschuldigend ausgedrückt. Aber:

Was macht eine Fluggesellschaft? Richtig sie fliegt. Von Triebwerken, Herstellung, Technik o. ä. ist nichts im Namen enthalten. Anders hingegen bei einem Triebwerkshersteller. Wohin hätte man sich also für Informationen zu einem Triebwerk wenden sollen?

Und wie man eingangs sehen konnte, gibt es die Informationen sogar im Internet. Man hätte allerdings mal woanders als bei Youtube oder auf Streifenseiten suchen müssen.

[⇧]

Befinden sich an den Aufhängungen der Triebwerke Sprühdüsen?

Die Sprühdüsen von Bernd Hauck
Chemtrails: Sprühtechnik aufgedeckt! Quelle: facebook

Am 31.10.2011 fragte mich Dominik Storr (Mitbegründer und Sprecher der sogenannten Bürgerinitiative „Sauberer Himmel“) per Mail nach der Funktion von Röhrchen, die sich an den Triebwerkaufhängungen befinden, womit er die Pylon Drains meinte, also die Drainageröhrchen. Am nächsten Tag beantwortete ich die Frage und es tat sich nichts mehr. Es erschien dazu kein Beitrag auf der Website von „Sauberer Himmel“, auch sonst war seitens der Chemtrail-Gläubigen nichts mehr davon zu lesen. Nun gut, dachte ich, hat sich Dominik Storr eine Peinlichkeit erspart.

Am 15.11.2013 tauchte jedoch genau dazu ein Artikel von Bernd Hauck (der mit der Prangerliste) bei facebook auf: „Chemtrails: Sprühtechnik aufgedeckt!“ (verwiesen wird dort auf „Die Sprühtechnik“). Dort heißt es:

Die Wahrheit kommt nun endlich ans Licht! Seit Jahren haben Bürgerinitiativen, Chemtrail-Aktivisten und Wahrheitssuchende gerätselt, mit welcher Technik Chemtrails ausgebracht werden.

Das ist für die Chemtrail-Gläubigen typisch. Wenn gesprüht würde, wäre es recht einfach, Belege in Form von Proben vom Himmel zu holen. Dazu sind sie jedoch nicht in der Lage. Und trotz dass es gar keine Beweise für Chemtrails gibt, kann man dann schon mal die Frage stellen, mit welcher Technik diese gar nicht vorhandenen Chemtrails ausgebracht werden. Weiter heißt es:

Wir haben jetzt Hinweise von Spezialisten aus der Flugzeugbranche erhalten, dass Chemtrails bei Linienflugzeugen durch separate Düsen oberhalb der Triebwerke versprüht werden - ähnlich wie bei herkömmlichen Sprühflugzeugen, die Silberjodid über Weinbergen ausbringen, um Hagelschlag zu verhindern.

Die Sprühdüsen von Bernd Hauck
Die aufgedeckte Sprühtechnik. Quelle: Leyline.de
(Screenshot beschnitten)

Und:

Wir konnten bei unseren ersten Recherchen auf den Flughäfen Düsseldorf und Frankfurt bei verschiedenen Fluglinien entsprechende Spezial-Umbauten an den Flugzeugen fotografieren. Augenscheinlich handelt es sich hierbei um Sprühdüsen.

Von diesen „Spezial-Umbauten“ stellt Herr Hauck dann auch gleich Fotos zur Verfügung, die er offensichtlich selbst aufgenommen hat. Ein Screenshot davon (beschnitten) ist hier zu sehen.

Nun, wer die Möglichkeit hat, sollte sich vielleicht an Flughäfen mal selbst die Flugzeuge ansehen, wozu wir auch immer wieder auffordern. Damit bekommt man ein Gefühl für die Flugzeuge und für die Fliegerei und vor allem sieht man, was an den Flugzeugen so dran ist. Was stellt man nun fest, wenn man sich die Flugzeuge genauer anguckt? Diese Röhrchen sind in irgendeiner Form immer an Flugzeugen vorhanden.

Diese „Spezial-Umbauten“, wie Herr Hauck schreibt, werden durch die Flugzeughersteller bereits bei der Fertigung der Flugzeuge vorgenommen - sie sind also Bestandteil des Lieferumfangs. Wenn es nicht so wäre, wäre es auch schlimm, denn dann wäre das Flugzeug nicht komplett.

An den Tanks über den Triebwerken und an anderen Einrichtungen kann es immer mal Lecks geben, dazu kommen noch Kondensations- oder auch Tauwasser. Diese Flüssigkeiten hat man nur ungern auf den heißen Triebwerken oder sonst wo, sondern man sorgt dafür, dass diese Flüssigkeiten im Falle des Falles kontrolliert abgeführt werden und man dies an der erwarteten Stelle auch sieht.

Im Winter kommt es so schon ab und an mal vor, dass etwas aus den Pylon Drains tropft. Man sieht es sehr schön an dem der B737, da dieser auf Augenhöhe ist. Woher kommen diese Tropfen? Diese Tropfen sind ganz normales Tauwasser, welches im Inneren des Pylons an der Unterseite der Tragfläche entsteht.

Der Flieger landet mit Restsprit im Tank, dieser hat um die -10 Grad. Die Außenseiten der Tragflächen sind auch sehr stark durch den kalten Sprit abgekühlt. Was passiert also wenn der Flieger nun am Boden bei ca. +5 °C steht? Es entsteht eine Schicht Reif, welche im Pylon durch die Wärme des Triebwerkes schnell schmilzt. Und so tropft es aus dem Pylon Drain.

U. a. dazu hat man eben diese Drainageröhrchen eingebaut, wo die jeweilige Flüssigkeit austreten soll.

Pylon Drain einer A320 mit CFM-56-Triebwerk. Foto: Andre6r
Pylon Drain einer A320 mit CFM-56-Triebwerk. Foto: Andre6r
Reif. Foto: Andre6r
Reif. Foto: Andre6r
Tropfen aus dem Pylon Drain. Foto: Andre6r
Tropfen aus dem Pylon Drain. Foto: Andre6r
Wäre es eine giftige Flüssigkeit, wäre es sicher ungünstig, die auf der Haut zu haben.


Pylon Drains
Pylon Drains bei Airbus. Quelle: Technical training manual

Da diese Röhrchen zu den Flugzeugen gehören, findet man sie auch in diversen Beschreibungen. Dies ist zum Beispiel im bereits genannten Dokument zu den Ryanair-Sensoren der Fall (Power Plant – B737), wie auch in den Manuals der Hersteller oder der Airlines.

Herr Hauck schreibt von Hinweisen von Spezialisten aus der Flugzeugbranche. Das kann natürlich wirklich sein. Ich habe den Eindruck, dass sich da irgendwelche Leute aus der Flugzeugbranche, wo man über die Chemtrail-Gläubigen nur lacht, einen Scherz erlaubt und dies erzählt haben, da man diese Röhrchen ja wirklich finden muss, wenn man hinguckt. In dem Fall wäre das wieder ein gutes Beispiel, wie leicht die Chemtrail-Gläubigen auf alles hereinfallen, weil sie ungeprüft alles einfach übernehmen. Wie leicht die Chemtrail-Gläubigen auf Scherze von Leuten aus der Branche hereinfallen, hat man ja besonders gut an dem bekannten KC-10-Video gesehen, das heute noch als Beleg für Chemtrails angebracht wird. Wenn man Herrn Hauck einen Auspuff zeigt und ihm erzählt, das sei eine „Spezialumrüstung“, veröffentlicht er vielleicht auch dazu einen Beitrag im Blog - bei der Leichtgläubigkeit der Chemtrail-Gläubigen muss man bekanntlich mit allen Absurditäten rechnen.

Im besten Fall, wenn es also nicht so war, zeigen die Märchen von Bernd Hauck aber, wie wenig man sich bisher mit Flugzeugen, den Erzeugern der Streifen, beschäftigt hat - die Chemtrail-Märchen sind in unserer Region immerhin schon seit über 10 Jahren unterwegs. Und so entdeckt man mal wieder Dinge, die schon immer vorhanden waren und selbstverständlich sind. Das bekannte Spiel mit der selektiven Wahrnehmung.

Aber es gibt schon noch ein paar Öffnungen und andere Dinge, die die Chemtrail-Gläubigen entdecken können: Kabinenluftventil, Pitot-Röhrchen, APU, Drain Mast, Antennen usw. Mal sehen, was sie noch so finden. Die Löcher an den Seiten sind übrigens die Fenster. Durch die wird auch nicht gesprüht.


Pylon Drains im Training Manual der Lufthansa
Pylon Drains im Training Manual der Lufthansa. Quelle: Lufthansa Technical Training (ab S. 126)

Natürlich macht die Nachricht von der Sprühtechnik auch die Runde. So ist sie zum Beispiel bei skywatchMARL zu sehen: facebook, http://skywatchmarl.wordpress.com.

SkywatchMARL fällt auf die Märchen von Bernd Hauck herein
SkywatchMARL fällt auf die Märchen von Bernd Hauck herein.
Quelle: skywatchmarl.wordpress.com
SkywatchMARL fällt auf die Märchen von Bernd Hauck herein
SkywatchMARL fällt auf die Märchen von Bernd Hauck herein.
Quelle: facebook


Norman Koch zeigt sein Unwissen
Norman Koch zeigt sein Unwissen. Quelle: facebook

Und auch ein Norman Koch ist offenbar gerade etwas aufgewacht, so dass er Selbstverständliches entdecken konnte. Guten Morgen!


Die „Strassen Gazette“, also ein Blatt, das durch Obdachlose und Arbeitslose verkauft wird, verbreitet diese Märchen ebenfalls:

Strassen Gazette verbreitet Lügen.

Aber bei diesem Blatt wissen wir ja schon von anderen Beispielen, dass man nicht von der Wahrheit ausgehen kann - vor allem dann nicht, wenn es von Bernd Hauck und/oder der Journalistin Gabriele Lermann stammt. Ein Beispiel finden Sie hier: Hat die Bundeswehr Geo-Engineering bestätigt?

Irgendwie ist es aber lustig, wie die Chemtrail-Gläubigen Standardbauteile von Flugzeugen, die also immer vorhanden sind, zu „Spezial-Umbauten“ deklarieren. Das ist so, als wenn man den normalen Auspuff eines Autos auch als „Spezial-Umbau“ ausgibt. Der einfache Chemtrail-Gläubige wird natürlich auch das glauben.

[⇧]