Warum gibt es Schleifen, Gittermuster, Überschneidungen und andere seltsame Flugbewegungen?

Flughöhen schätzen

Da dieses Thema anscheinend zu abstrakt ist, sei hier nochmal extra darauf eingegangen. Grundsätzlich dazu aber zwei Informationen:

Obwohl es von den Chemtrail-Gläubigen immer wieder behauptet wird, ist es ohne Hilfsmittel nicht möglich, Flughöhen zu schätzen. Allein schon Perspektiven, unbekannte Flugzeugtypen und optische Täuschungen machen uns dies unmöglich. Man kann also nicht sagen, dass zwei Flugzeuge auf gleicher Höhe unterwegs waren. Dieses Beispiel vedeutlicht es recht gut, wo immerhin 1000 ft (ca. 304 m) Distanz zwischen den Flughöhen war (entspricht dem vorgeschriebenen Abstand): http://photography-on-the.net/forum/showthread.php?p=11696631#. Inflight sieht sowas dann so aus: close crossing traffic, 300m(1000ft) above.

Man kann versuchen, Flüge festzustellen. Dazu gibt es verschiedene Flightradare, wie zum Beispiel http://www.flightradar24.com/. Alle Flugzeuge, die einen ADS-B-Transponder an Bord und den eingeschaltet haben, werden damit angezeigt. So kann man auch die Flughöhen feststellen. Man muss dabei allerdings beachten, dass sich Flugzeuge, die einen Streifen hinterlassen, auch gut und gern 80 km entfernt befinden können - die Perspektive macht dies möglich. Einen Einblick in dieses Thema finden Sie hier: How Far Away is That Contrail?.

Meist gehen Chemtrail-Gläubige davon aus, dass Flugzeuge nur geradeaus fliegen können. Deshalb sei hier darauf hingewiesen, dass Flugzeuge auch lenken können und somit auch mal Kurven fliegen. An Abzweigungen und Kreuzungen von Airways müssen sie das sogar: SkyVector, siehe „World Hi“.

Schleifen und andere seltsame Flugbewegungen

temporarily reserved area 206/306

Die Gründe für Schleifen am Himmel können vielfältig sein, denn es gibt nicht nur Airliner und Frachter, die von Punkt A nach Punkt B fliegen. So gibt es zum Beispiel Warteschleifen, Rundflüge, Testflüge, Ausbildungsflüge, Fotoflüge, Suchflüge, Kalibrierungsflüge, Übungsflüge, usw.

Ab und zu werden Schleifen über bestimmten Gegenden gesehen, wie zum Beispiel über der Uckermark. Das hat einen einfachen Grund, denn dort befinden sich Temporary Reserved Airspaces (TRA). Das sind Gebiete, die - wie der Name schon sagt - ab und zu mal reserviert werden, und zwar für militärische Übungsflüge, denn auch die Militärpiloten müssen mal üben. Karten mit diesen Gebieten sind sogar im Internet zu finden: https://www.milais.org/pages/publications.php?Zmxkcj1ldCZtb2R1bGU9ZG9jJmlkPTY=. Die Karte mit dem temporär gesperrten Gebiet über Brandenburg (TRA 206/306) ist auch dabei. Das heißt, dass man in solchen Gebieten mit Schleifen rechnen muss - eine Verwunderung darüber wäre einfach naiv.

Die spannende Frage ist nun, was man in einem Gebiet, das für Übungsflüge vorgesehen ist, macht. Könnte es sich dabei eventuell um Übungsflüge handeln?

Wenn man davon ausgeht, dass Streifen auch noch in zig Kilometern Entfernung zu sehen sind, sieht man diese Schleifen natürlich auch nicht nur von einem Ort aus. Das heißt, wenn man von Oranienburg, 16775 Großwoltersdorf und von Neuruppin aus diese Schleifen sieht, handelt es sich um dieselben Schleifen.

Allerdings können auch andere Flugbewegungen nicht ausgeschlossen werden, um nur ein paar Beispiele zu nennen:

Siehe auch: Interesting Patterns on Flightradar24

Überschneidungen, Kreuzungen

Oft liest man bei den Chemtrail-Gläubigen, dass Überschneidungen von Flugrouten Indizien für Sprühereien seien bzw. dass diese sogar verboten seien. Eine Frage zu einem einfachen Beispiel:

Nehmen wir an, ein Flugzeug A (rot) fliegt von Berlin nach München, also von Nord nach Süd. Ein anderes Flugzeug B (grün) fliegt von Prag nach Brüssel, also von Ost nach West. Soll nun das Flugzeug A einen Riesenbogen östlich an Prag vorbei und wieder gen Süden fliegen oder soll eins der beiden Flugzeuge warten, bis das andere Flugzeug vorbei ist, damit sich die Flugrouten nicht berühren?

So geht es natürlich nicht und es gibt ja auch ein paar mehr Flugzeuge als nur diese beiden. Das heißt, dass sich Flugrouten auch mal kreuzen oder anders begegnen müssen - das geht gar nicht anders. Aber wir können davon ausgehen, dass wegen der Höhe keine Gefahr besteht - von unten können die Flughöhen zwar gleich aussehen, tatsächlich befindet sich aber ein ausreichender Abstand dazwischen.

Für gewöhnlich befinden sich die Reiserouten der Jets in Höhen zwischen 9.000 und 12.000 Metern - da ist also genug Platz für Begegnungen. Die vertikale Staffelung, also der senkrechte Abstand zwischen Flugzeugen im Reiseflug, muss übrigens mindestens 1.000 ft (gerundet 300 m) betragen. Und vom Boden aus kann man nicht unterscheiden, ob ein Flugzeug in 10.300 m oder in 10.600 m Höhe unterwegs ist.

Gittermuster

Gittermuster

Das ist sicher das Thema, das für die Chemtrail-Gläubigen zu komplex zum Verstehen ist, denn die vermeintlichen Gittermuster liest man immer wieder als Indiz für Sprühereien.

Dabei spielen zwei Aspekte für diese Anblicke eine große Rolle:

Erstens sieht man beim Blick an den Himmel einen sehr großen Bereich, also auch die Kondensstreifen in diesem Bereich. Wenn man nach links die Streifen in zum Beispiel 50 km horizontaler Entfernung noch sieht und dies ebenfalls nach rechts, hat man eine Breite von 100 km im Blick - und damit natürlich auch die dortigen Streifen. Und in einer Distanz von 100 km können viele Flüge stattfinden.

Es gibt Flugrouten, die sehr stark frequentiert sind. Dabei wird nicht immer auf einer Linie geflogen, sondern auch mal versetzt. Im rechten Screenshot sehen wir die Flugbewegungen über Aachen in einem Zeitraum von zwei Stunden - und das sind nur die Flugzeuge, die über ADS-B verfügen. Tatsächlich könnte also der eine oder andere Flieger mehr dort unterwegs gewesen sein. Und bei entsprechender Wetterlage halten sich nun mal die Streifen auch sehr lange; es sind also viele auf einmal zu sehen.

Aber nicht nur die versetzten Flugrouten sind die Ursache für Gittermuster. Meist geht in der Höhe auch noch Wind, so dass ein Streifen nicht an einer Stelle bleibt, sondern zur Seite geweht wird. Folgt nun ein Flugzeug auf derselben Route, hat man schon mal zwei Streifen nebeneinander, usw. Kreuzen nun noch Flugzeuge diese Routen, gibt es Streifen in die anderen Richtungen - fertig ist das Gittermuster. Eine Simulation dazu finden Sie auf http://contrailscience.com/contrail-simulations/.

Dieses Verhalten ist auch im rechten Video gut zu sehen. Dort können Sie beobachten, wie die Streifen zur Seite geweht werden und an der alten Stelle ein neuer Streifen entsteht.

Übrigens ist selbst G. Edward Griffin, einer der Macher von „What In The World Are They Spraying?“, der Ansicht, dass Gitterstreifen ganz normal sind: „Don't blame the pilots!“.

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