Warum gab es früher nicht so viele Kondensstreifen und farbige Wolken?

Woher sollten die vielen Kondensstreifen kommen? Bis zur Öffnung der östlichen Länder war Fliegen etwas Besonderes, waren die Flugpreise sehr hoch. Man konnte nicht mal einfach so einen Abstecher nach Mallorca machen, vor allem die Leute aus den östlichen Ländern nicht. Mit der Wende fielen die Grenzen und Millionen Menschen mehr konnten und wollten auf einmal reisen. Die Fluggesellschaften haben sich dem natürlich angepasst und ihre Angebote massiv erhöht. Innerhalb weniger Jahre vervielfachte sich die Anzahl der Flugbewegungen. Das betraf aber nicht nur die Reisen, auch Fracht wurde immer mehr per Flugzeug befördert. Die Firmen sparten Kosten in der Lagerhaltung und ließen sich bestimmte Produkte bei Bedarf einfliegen. Beispiele dazu findet man immer wieder in allen möglichen Medien.

Diese Zunahme des Flugverkehrs kann natürlich nicht unbemerkt bleiben. In der Nähe von Flughäfen konnte man feststellen, dass die Anzahl der Starts und Landungen zunahm. Und zwischen Start und Landung müssen die Flugzeuge auch irgendwo sein - natürlich am Himmel, an dem man von denen die mehr oder weniger langen Kondensstreifen sieht.

Aber unsere Generationen haben eben den quantitativen Wandel in der Folge der Wende direkt mitbekommen. Und jeder, der in den Urlaub fliegt und jeder, der Produkte mit eingeflogenen Bestandteilen kauft, hat eine kleine Schuld daran, dass wir heute so viele Kondensstreifen sehen. Im Winter mal einen bestimmten Strauß Blumen kaufen? Vielleicht stammt der ja aus Südafrika und wurde eingeflogen. Mal zu einem Vortrag nach Oslo fliegen? Auch der Flieger wird sicher irgendwo einen Streifen hinterlassen. In den Urlaub nach Frankreich fliegen? Auch da …

Eine Frage an die Chemtrail-Gläubigen: Warum sah man früher weniger Autos auf den Straßen?

Sehen Sie sich weiter unten auf dieser Seite ein Video mit der Visualisierung des Flugverkehrs über Europa an, um eine Vorstellung vom Aufkommen zu erhalten.

Phänomene älter als Flugzeuge und HAARP

Video von 1968 mit verschmiertem Himmel
Film von 1968 mit verschmiertem Himmel

Abgesehen davon: Da es schon immer Wetter gibt, gibt es auch schon immer die Voraussetzungen für verschiedene Phänomene, wie den „verschmierten“ Himmel, Halos und in neuerer Zeit eben auch für die Kondensstreifen. Die Chemtrail-Gläubigen, insbesondere auch Herr Storr von der so genannten Bürgerinitiative „Sauberer Himmel“ oder die in Chemtrail-Gruppen sehr aktive Ria den Breejen aus Berlin, betrachten vieles, was sie nicht kennen, als neu.

Tatsächlich hat man (abgesehen natürlich von Kondensstreifen - mangels Flugzeugen) viele Phänomene bereits vor langer Zeit beobachtet, so dass sie bekannt sind. Zu diesen Zeiten gab es weder Flugzeuge noch HAARP - wie soll man das also in Verbindung bringen? 174 v. u. Z. wurden Sonnenringe mit „drei Sonnen“ beobachtet - wie ging das so ganz ohne Flugzeuge und HAARP? Schuberts Nebensonnen 1827, Goethes Cirren 1820 - wie konnte das ohne Chemtrails passieren?

Übrigens: Neben den Halos gibt es auch die Wellenwolken schon immer, für die HAARP verantwortlich gemacht wird. Nur ist hier halt auch die Frage: Wie konnten diese früher ohne HAARP entstehen?

Diese Luftfeuchtigkeit in der Höhe, in denen sich schon immer u. a. diese Halos bilden konnten, sorgte mit dem Aufkommen der Fliegerei dafür, dass sich auch die zusätzliche Feuchte durch die Abgase nicht gleich auflösen konnte. Im Gegenteil, in den Abgasstreifen der Flugzeuge gibt es auch gleich noch die Kondensationskerne, die begünstigen, dass sich die Eispartikel und Tröpfchen bilden können. Und wenn früher eine ISSR völlig ungestört am blauen Himmel war, man also keinerlei Wolken sah, sorgen heute die vielen Flugzeuge dafür, dass daraus Wolken entstehen können.

Entwicklung der Technik

Hinzu kam noch die Entwicklung der Technik, also auch der Flugzeuge. Lange Zeit waren überwiegend Propellerflugzeuge unterwegs, die in unseren Regionen recht selten mal Streifen hinterließen. Jets gibt es zwar seit den Vierzigern, aber sie waren im Vergleich dazu doch recht selten. Und vor allem waren die Jets damals recht klein, so dass sie wegen der relativ geringen Leistung auch nur wenig Feuchtigkeit in die Umgebung einbrachten. In den Sechzigern war es eigentlich nur die vierstrahlige Boeing 707, die im Linienverkehr dickere Streifen hinterließ. Erst in den Siebzigern begann die eigentliche Verbreitung stärkerer Flugzeuge mit dem Jumbojet Boeing 747, aber auch mit Flugzeugen von Douglas und Iljuschin. Die Vierstrahler von Airbus kamen gar erst am Anfang der Neunziger mit der A340 hinzu. Mit dieser Zunahme der Anzahl an Jets im Allgemeinen sowie der Zunahme leistungsstärkerer Jets mit mehr Ausstoß im Besonderen war nun auf den Strecken am Himmel auch immer mehr Feuchtigkeit enthalten. Und da Airbus mit seiner A380 großen Erfolg hat und auch der neue Jumbo Boeing 747-8 Verbreitung findet, wird das auch eher nicht abnehmen. Selbst die erfolgreiche Boeing 777 als Jet mit nur zwei Triebwerken hat eine enorme Leistung, wodurch nicht gerade wenig Feuchtigkeit ausgestoßen wird.

Briefmarke 20 Jahre DDR mit Kondensstreifen

Insofern gibt es also schon immer Kondensstreifen (Beispiele: http://contrailscience.com/contrail-photos-through-history/), seit es Flugzeuge in den entsprechenden Höhen gibt - selbst im zweiten Weltkrieg konnte man Kondensstreifen beobachten. Und die Briefmarkensammler können sich mal die Ausgabe 20 Jahre DDR von 1969 ansehen, zum Beispiel die Mi.-Nr. 1504. Was findet man da wohl? Und was haben wir denn bei dem Video (http://www.youtube.com/watch?v=KCKzQqvh2QQ) von 1968 im Hintergrund? Doch nicht etwa verschmierten Himmel? Und wer auch früher schon ab und zu mal gen Himmel geguckt hat, hat auch früher schon den einen oder anderen Streifen gesehen.

Seht euch alte Fotos an!

Oft fordern die Chemtrail-Gläubigen auf, sich alte Fotos anzusehen, um festzustellen, dass es früher noch keine Kondensstreifen gab. Das ist eine billige Manipulationsmethode, weil hierbei ein paar Fakten ignoriert werden:

Zunächst muss man bedenken, dass früher jedes Foto Geld gekostet hat, teilweise richtig teuer war. Man brauchte einen Film; der Film musste entwickelt werden. Für all das musste man bezahlen. Dass man mittels Digitaltechnik beliebig viele Fotos machen kann, gab es damals eben noch nicht. Und so hat man sich schon überlegt, was man aufnahm. Aus diesem Grund gab es schon mal weniger Fotos als es heute der Fall ist.

Die Fotos waren dazu noch als Papier oder als Dias vorhanden. Die konnte man natürlich nicht gleich überall verbreiten, wie es die Chemtrail-Gläubigen mit ihrem Bilderspam heute veranstalten. Da diese erst digitalisiert (i. d. R. gescannt) werden mussten, wird man auch nicht alle Fotos im Internet finden.

Selbstverständlich hatten die Fotos früher auch nicht die Qualität von heute. Einen so großen Dynamikumfang, wie ihn heutige Kameras haben, konnte man meist nicht verwenden - lange Zeit war Schwarz-/Weiß-Fotografie sowieso am weitesten verbreitet. Und so hatte man zwar die eigentlichen Motive ordentlich dargestellt, während die Farbe am Himmel schlicht abgerissen, also überbelichtet, war. Der Himmel schien einfarbig zu sein.

Die Menschen, die damals schon unter Flugrouten wohnten, nahmen die Kondensstreifen auch als selbstverständlich hin; sie gehörten zum Fortschritt. Und warum sollte man - vor allem, weil Fotos Geld kosteten - Alltägliches fotografieren? Man konnte sie ja immer wieder sehen, wozu man keine Fotos brauchte.

Und natürlich gab es auch den Aspekt, dass es vielerorts noch gar keine Flugrouten gab. So konnte man dort selbstverständlich auch keine Streifen sehen.

Dass es jedoch auch früher schon Streifen gab, sieht man an den Beispielen, die weiter unten auf dieser Seite genannt sind.

Klima und Umwelt

Natürlich ist klar, dass auch die Kondensstreifen Wolken sind - Wolken, die durch den Menschen verursacht worden sind. Und auch diese Wolken tragen zur Bedeckung bei. Wie viel, dazu gibt es trotz intensiver Forschung - u. a. durch das DLR - unterschiedliche Angaben und man ist hier noch nicht abschließend einer Meinung, welchen Einfluss das auf Klima und Umwelt hat. Der aktuelle Kenntnisstand besteht darin, dass die Bilanz zugunsten einer Erwärmung ausschlägt - das heißt, dass die Kondensstreifen wegen ihrer Begünstigung der Bedeckung die Wärmeabstrahlung behindern und somit zu einer Erwärmung des Klimas beitragen. Dies ist also genau das Gegenteil von dem, was man erreichen möchte, auch durch ein eventuell zukünftiges Solar Radiation Management im Rahmen des Geo-Engineerings.

Video von 1986
Video von 1986: Black - Wonderful Life
Quelle: YouTube (Dank an Stan Shutt für den Hinweis)

Und Flugzeuge stoßen - wie auch andere Verkehrsmittel - Schadstoffe aus, das dazu noch in einer recht sensiblen Umgebung. Insgesamt dürfte das durch die große Anzahl der Flüge nicht wenig sein, allerdings wird hierbei auch viel übertrieben. Da Kerosin einer der teuersten Faktoren für die Airlines ist, sind diese natürlich schon deshalb daran interessiert, dass möglichst wenig verbraucht und damit auch wenig ausgestoßen wird. Daran arbeitet man und so sind viele Flugzeuge vom Ausstoß her sauberer als zum Beispiel PKWs - was man sieht, ist eben die Feuchtigkeit. Hier ist ein Bericht dazu: http://blog.berlin-airport.de/2012/09/19/airberlin-nachhaltigkeitsbericht/.

Wer die Fliegerei schon länger verfolgt, kann übrigens auch eine Entwicklung sehen. Früher konnte man bei den Flugzeugen immer wieder dunkle Abgasfahnen beobachten - Schadstoffe. Eine Boeing 707 oder eine TU-154 hat man schon von weitem erkannt, eben aufgrund der dunklen Streifen. Das ist heute bei aktuellen Flugzeugen nicht mehr der Fall, dafür sieht man eben in der Höhe mehr von der Feuchtigkeit.

Fazit

Wir sehen also: Dass die Chemtrail-Gläubigen bestimmte Phänomene am Himmel als neu bezeichnen, ist einfach nur die Folge dessen, dass man früher den Himmel nicht so bewusst beobachtet hat, wie es heute der Fall ist. Würde man sich nicht bei Youtube auf die einfachen Erklärungen der Verschwörungstheorien beschränken, sondern auch mal über den Tellerrand gucken und die Geschichte betrachten, wäre sofort klar, dass alles das bereits schon lange bekannt ist.

Beispiele aus der Geschichte

Sehen Sie sich noch ein paar Beispiele aus der Historie an:

So schrieb Goethe 1820 in Zur Naturwissenschaft überhaupt, Band 1 Heft 3:

Donnerstag, den 18ten Mai

Früh ganz klarer Himmel, nach und nach leichte Zirrus, um Mittag seltene, höchst auffallende Erscheinung, die mich aus der Enge auf eine freie Stätte rief. Von Westen herauf, mit entschiedenem Südwind, zogen lange, zarte Zirrusstreifen, einzeln und vereinigt; im Vorwärtsziehn krümmten sie das vordere Ende zu kleinen Wölkchen, etwas niedriger zogen unbestimmte, weiße Wölkchen, die von jenen Streifen mit aufgenommen wurden, sonst standen noch alle Arten von Zirrus am bläulichen Himmel, Schäfchen, gegitterte Streifen, alles in Bewegung und Verwandlung.

Der Himmel überwölkte sich nach und nach. Von der Prager Straße angesehen, zeigten sich die Wolken in mancherlei Formen; doch immer Auflösung drohend. Abends acht Uhr, unter Blitz und Donner Regengüsse.

Freitag, den 19ten Mai

Klarer Morgen, doch bald wieder leicht bewölkt, fortgesetzte Bewölkung den ganzen Tag über. Abends, den Schlackenwerther Weg herabfahrend, vielfache, Gewitter drohende Wolkengestaltung. Um die untergehende Sonne trübe Atmosphäre und ein weißer, hie und da farbiger Kreis, teilweise deutlicher und undeutlicher zu bemerken. Nachts gewaltiger Regenguß, mit Donner und Blitz.

Und selbst die Farben am Himmel kommen zur Sprache.

Links

Hier sind noch ein paar Links zu Websites, auf denen Wetterlagen bzw. Bewölkungen zu sehen sind, für die die Chemtrail-Gläubigen Chemtrails und HAARP verantwortlich machen:

Hier können Sie in einem Buch blättern, das von 1905 stammt - aus einer Zeit, als an Jets und HAARP noch gar nicht zu denken war. Sie werden viele Wolkenformationen erkennen, die heute von Verschwörungstheoretikern als etwas Besonderes hingestellt werden - obwohl es sie eben damals auch ohne HAARP und Flugzeuge gab. Auf Seite 23 finden Sie zum Beispiel ein Halo, auf Seite 119 Wellenwolken.

Europe 24 from NATS on Vimeo

This data visualization of Air Traffic in Europe was created from real flight data. It shows the air traffic which flies on a typical summer day and highlights the intensity of the operation in Europe - an operation which runs 24x7x365. NATS and the UK are at the heart of the operation. With Heathrow as the busiest international airport in Europe, and Gatwick as the busiest single runway airport in the world, we play a key role in ensuring air traffic under our control in European airspace is as safe and efficient as it can be. Find out more at http://nats.aero and http://nats.aero/blog

Artikel dazu: Video: So dicht ist der Flugverkehr über Europa

In pictures: Global flight paths

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