Sind Chemtrails eine Gefahr?

Die Antwort lautet ganz eindeutig: ja. Aber …

Oftmals fragen Chemtrail-Gläubige, warum wir über etwas aufklären, was es unserer Ansicht nach doch gar nicht gibt. Diese Frage zeigt auch schon das Problem, dass Verschwörungstheoretiker gar nicht mitbekommen, worum es wirklich geht, denn:

Körperliche Gefahr für Kinder und unbeholfene Menschen

Chemtrail-Flyer mit der Aufforderung, MMS zu nehmen
Chemtrail-Flyer mit der Aufforderung, MMS zu nehmen

Chemtrail-Gläubige haben Angst vor gesundheitlichen Folgen aus Chemtrails bzw. deren Fallout. Sie gehen davon aus, dass sie gefährliche Stoffe essen und atmen bzw. anderen gefährlichen Einflüssen, zum Beispiel durch Strahlung, die mit Chemtrails verbunden ist (siehe HAARP), ausgesetzt sind.
In Kombination dessen, dass Chemtrail-Gläubige meist auch anderem irrationalem Gedankengut anhängen, wie etwa anderen Verschwörungstheorien, Esoterik und Homöopathie, ergeben sich daraus konkrete Gefahren für die Gesundheit.

So werden einerseits diverse Mittelchen zu verschiedenen Zwecken eingenommen bzw. per Einlauf eingeführt, die gegen die Folgen der Chemtrails helfen sollen. Im einfachsten Fall sind die Mittelchen mehr oder weniger harmlos (z. B. Bentonit, Zeolith usw.). Allerdings gehen Chemtrail-Gläubige oft einher mit den Pharmagegnern, die der Meinung sind, dass Medizin und Pharma die Menschen abhängig machen würden, um an ihnen zu verdienen. Diese Verschwörungstheoretiker verwenden härtere Mittel, zum Beispiel MMS (Chlorbleiche) und Schwarze Salbe, die zu schweren Verletzungen und sogar zum Tod führen können. Durch MMS wird zum Beispiel verätzte Schleimhaut ausgeschieden:

Kinder werden beeinflusst
Kinder werden beeinflusst

Andererseits gibt es Krankheiten, die behandelt werden müssen. Da die Pharmagegner (also damit verbunden auch Chemtrail-Gläubige) die echte Medizin verweigern und zu alternativen Mittelchen und Methoden greifen, bleiben diese Krankheiten u. U. unbehandelt. Somit kann daraus ein Leiden entstehen, verbunden mit ernsthaften Folgen.

Nun könnte man meinen, dass jeder selbst dafür verantwortlich sei, was mit sich selbst gemacht wird. Aber so einfach ist es nicht: Kinder werden gezwungen, sich diesen gefährlichen „Behandlungen“ auszusetzen oder eben notwendige Behandlungen auszulassen - die Kinder können noch nicht selbst beurteilen und zweckmäßig entscheiden. Deren Eltern sind dafür verantwortlich, dass sie körperlich beeinträchtigt werden.

Und leider gibt es auch Todesfälle: „Infektionskrankheit: Kleinkind in Berlin an Masern gestorben“.
Konnte das Kind (noch) nicht geimpft werden, hätte der Herdenschutz gegriffen, weil die anderen Personen geimpft wären. Hätte das Kind jedoch die Möglichkeit zur Impfung gehabt und die Eltern waren Impfgegner, dürfte die direkte Ursache erkennbar sein. In jedem Fall hat der blinde Glauben an Verschwörungen die Schuld daran, dass das Kind nicht aureichend geschützt war (sei es durch Impfung oder Herdenschutz). Auch Glauben an Chemtrails trägt zu diesem allgemeinen Verschwörungsglauben bei: „Werden wir bei den Streifen am Himmel belogen, belügt man uns generell - also auch bei Pharma und Impfungen.

Ab er es betrifft nicht nur Kinder - Verschwörungstheoretiker sind oft so manipuliert, dass sie einfach glauben, was ihnen die Wortführer und andere Glaubensgenossen vorgeben. Somit fügen sie sich selbst Schaden zu, weil sie es schlicht nicht besser wissen.

Psychische Gefahr für Kinder und unbeholfene Menschen

Beeinflussung der Kinder durch Chemtrail-Gläubige
Bei „Sauberer Himmel“ werden Kinder benutzt.

Nicht minder schwer sind die Gefahren, die sich für die Psyche ergeben.

Kinder wachsen in einer Welt voller unberechtigter Ängste auf. Sie sehen harmlose Wolken und haben Angst. Sie sehen Spinnweben und haben Angst. Sie riechen etwas Seltsames und haben Angst. Sie haben ständig Angst.

Gefördert wird die Angst, wenn die Kinder nicht nach draußen (also auch nicht zur Schule) dürfen, wenn Streifen zu sehen sind. Hier spielt sogar noch die Rolle, dass sie Unterrichtsinhalte versäumen.

Erzählen die Kinder in der Schule von den Chemtrail-Märchen, besteht die Gefahr, dass sie ausgelacht und ausgegrenzt werden. Die Spinner halt. Auch das kann zu einer Belastung für die Kinder werden.

Kinder erzählen die Märchen anderen Kindern weiter - in der KiTa, im Hort, in der Schule. Auch das ist ein Weg, die Märchen zu verbreiten - Eltern suchen dan möglicherweise mit Google danach und finden die Verschwörungsmärchen.

Und wenn die Kinder dann noch damit rechnen müssen, sich mit MMS behandeln zu müssen, kommt sogar noch die Angst vor den Schmerzen dazu.

Begünstigung von Laserattacken auf Flugzeuge

Laserattacken auf Flugzeuge

Laserattacken auf Flugzeuge
Laserattacken auf Flugzeuge

Chemtrail-Gläubige entwickeln einen sehr starken Hass auf alles, was die Luftfahrt betrifft. Aber sie sehen nur die Streifen, erkennen keine Flugzeuge und kennen sich schon gar nicht mit der Fliegerei aus. So sind alle Flugzeuge für sie Chemtrail-Sprüher.

In ihrem Fanatismus suchen sie nach Wegen, der Luftfahrt zu schaden. In Sydney wollten Chemtrail-Gläubige bereits Piloten von Passagierflugzeugen abfangen, aber dies blieb wahrscheinlich nur ein Einzelfall. Kein Einzelfall ist aber der Wunsch, Flugzeuge abzuschießen.

Zum Glück haben die Chemtrail-Gläubigen aber keine Waffen, mit denen sie Flugzeugen Schaden zufügen könnten. Doch leider sind sie auch auf den Zug aufgesprungen, den es durch viele andere Verrückte schon gab: Attacken mit Laserpointern. Und so gibt es in den einschlägigen Foren der Chemtrail-Gläubigen immer wieder Aufforderungen oder Ankündigungen, mit Laserpointern auf Flugzeuge zu zielen.

Es ist natürlich nicht gesagt, wie viele der gemeldeten Vorkommnisse auf das Konto der Chemtrail-Gläubigen gehen. Fakt ist jedoch, dass die Chemtrail-Gläubigen die bereits bestehende Gefahr noch wesentlich erhöhen.

Bis jetzt sind die Attacken immer glimpflich verlaufen, zum Glück. Man mag sich das Szenario, dass es tatsächlich in einer heiklen Flugphase zu einem Unfall kommt, gar nicht vorstellen.

Es wäre ja nicht nur ein Pilot betroffen.

Da die Chemtrail-Gläubigen keine Unterschiede zwischen Flugzeugen kennen, könnten Sie auch schnell mal eine mit 500 Passagieren besetzte A380 treffen - es wären über 500 Menschenleben in Gefahr. Und dazu kommt noch der Fakt, dass viele Flugzeuge im Landeanflug oder nach dem Start über dicht besiedelte Gegenden fliegen - Berlin-Tegel zum Beispiel liegt mitten in der Stadt. Würde es hier also zu einem Unglück kommen, wären neben den Insassen der Flugzeuge auch die Menschen am Boden in Gefahr.

Und hier sehen wir eben schon: Chemtrail-Gläubge sind nicht nur harmlose Spinner, die man ignorieren kann. Es sind eher gefährliche Fanatiker, die eine konkrete Bedrohung für Menschenleben darstellen und eine Katastrophe herbeiführen können.

Dies aufgrund der Tatsache, dass sie nicht wissen, was am Himmel los ist und dafür die reinen Märchen erfinden - gefährliche Märchen in diesem Fall.

Piloten sehen die Bedrohung schon konkret: Jet pilots fear 'chemtrail' attacks

Einmischen in Diskussionen/Spam

Aufforderung zu Spam
Aufforderung zu Spam

Nicht unbedingt eine Gefahr, aber äußerst lästig ist das Bestreben der Chemtrail-Gläubigen, sich überall einmischen zu müssen, wovon sie keine Ahnung haben.

Es muss nur irgendwo in einem Medium mit Kommentarfunktion etwas zum Himmel oder zur Fliegerei gezeigt oder angesprochen werden, schon kommen die Chemtrail-Gläubigen wie die Fliegen an und bringen ihren Müll unter. Dass sie sich dabei völlig zum Klops machen, weil sie zeigen, dass sie arge Bildungslücken haben, kriegen sie nicht mit.

Alle Phänomene, von denen sie keine Ahnung haben (also wirklich alle), schieben sie auf Chemtrails und HAARP. Das schreiben sie jedoch nicht nur, sondern sie verbreiten massenhaft ihre YouTube-Videochen und Fake- sowie Streifenbildchen. Ein sinnvolle Diskussion zum eigentlichen Thema ist schnell nicht mehr möglich - Chemtrail-Gläubige können aufgrund fehlender Argumente bekanntlich nicht diskutieren.

Da natürlich auch von den Chemtrail-Gläubigen nicht alle gleich alles mitbekommen können, gibt es regelmäßig Aufträge zum Posten von Spam und diese Auftragsschreiberei befolgen die anderen Chemtrail-Gläubigen natürlich brav.

Solche Verbreitung des Chemtrail-Spams erfolgt jedoch nicht nur per Kommentar in Diskussionen, sondern es gibt häufig Aufrufe, auch an andere Stellen zu belästigen. Führend ist bei dieser Auftragsschreiberei die sogenannte Bürgerinitiative „Sauberer Himmel“, die immer wieder dazu aufruft, sich an andere Stellen oder Personen zu wenden. Auch in den einschlägigen facebook-Gruppen der Chemtrail-Gläubigen kommt es immer wieder zu Aufrufen zu Spam.

So sind teilweise natürlich gar keine themenbezogenen Diskussionen mehr möglich, weil sich die Chemtrail-Gläubigen mittlerweile überall einmischen. Zum Glück achten jedoch immer mehr Seitenbetreiber darauf, den Spam der Chemtrail-Gläubigen gleich zu löschen, damit das Niveau wenigstens halbwegs gehalten werden kann. Letzten Endes kann man diese Vorgehensweise nur begrüßen und empfehlen. Es ist ja im Prinzip auch ein Problem: durch den ständigen Verschwörungskram können auch Leser abgeschreckt werden und sich so vom jeweiligen Anbieter lösen.

Drohungen, Verleumdungen, Beleidigungen - Einschüchterung

Drohmails von Chemtrail-Gläubigen
Drohmails von Chemtrail-Gläubigen
Drohmails von Chemtrail-Gläubigen
Drohmails von Chemtrail-Gläubigen

An die Mails gewöhnt man sich - an Drohmails von Chemtrail-Gläubigen.

Man muss im Prinzip nur zum Ausdruck bringen, dass man nicht der Meinung der Chemtrail-Gläubigen (bzw. Verschwörungstheoretiker generell) ist, schon kann es passieren, dass die Chemtrail-Gläubigen persönlich werden. Denn es ist so, dass sie sehr für die Meinungsfreiheit sind - wenn es ihre Meinung ist. Ansonsten zeigen sie ihren fanatischen Charakter.

Die Methoden unterscheiden sich dabei nicht von denen der Rechten/Neonazis, was ja auch nicht wirklich verwundert.

Neben den Drohungen per Mail sind dies Drohungen in Diskussionsthreads, zum Beispiel bei facebook und bei YouTube. Manchmal geht dies bis hin zu Morddrohungen.

Unangenehmer sind Verleumdungen und üble Nachrede, indem die Chemtrail-Gläubigen Unwahrheiten verbreiten. So zeigte ich zum Beispiel einmal ein Foto, auf dem ich mit meiner Tochter bei ihrer Jugendweihe zu sehen war und Chemtrail-Gläubige verbreiteten, ich sei ein „Kinderf****r“.

Standard ist, und das ist auch eine bekannte Methode aus ganz finsteren Zeiten, dass persönliche Daten verbreitet werden, zuallererst natürlich Wohnanschrift u. ä. Dies geht einher mit den von den Nazis bekannten Prangerlisten, wie sie zum Beispiel Bernd Hauck und Kathrin Rolle führen.

Man sollte also bei der Auseinandersetzung mit Verschwörungstheorien möglichst anonym bleiben, wenn man damit nicht umgehen kann. Auf jeden Fall sollte man mit diesen Methoden rechnen.

Begünstigung für extremistisches Gedankengut

An den Methoden zur Einschüchterung merkt man es schon: Verschwörungstheorien haben eine große Nähe zu extremistischem Gedankengut. Dies ist auch kein Wunder, denn auch inhaltlich gibt es Parallelen.

Viele wurden zu Verschwörungstheoretikern, weil sie für ihr eigenes Versagen die Schuld nicht bei sich suchen, sondern eben woanders. Genau dies machen auch die Rechten: Für Probleme sind zum Beispiel Ausländer verantwortlich. Aufgrund dieser Gleichheit beim Erzeugen von Feindbildern ist klar, dass die Rechten wissen, wo sie fischen müssen - bei den Verschwörungstheoretikern. Dort haben sie eine große Basis, um Fußvolk für ihre Ideologien zu finden.

Und so ist es auch kein Wunder, dass man bei den Verschwörungstheoretikern diesen Einfluss immer wieder merkt. Antiamerikanismus, Antisemitismus, Rassismus sind Linien, die sich durch alle Verschwörungstheorien ziehen und sich oft auch sehr deutlich bei den „Reichsbürgern“, die meist sehr stark rechts orientiert sind, zeigen.

Wer also Verschwörungstheorien wie die von den Chemtrails verbreitet, spielt immer den Rechten in die Hände - wenn nicht sogar selbst eine rechte Einstellung im Spiel ist.

Recherche und Verbreitung

Anna-Seghers-Schule ohne Physikunterricht?
Das Bundesministerium für Bildung und Forschung diente als Plattform für Verschwörungstheoretiker der Anna-Seghers-Schule in Berlin-Adlershof, indem diese am Bauzaun des BMBF die typische Aufforderung der Chemtrail-Gläubigen verbreiteten.

Da die Chemtrail-Gläubigen keine Beweise für ihre Behauptungen haben, sind sie natürlich darauf angewiesen, ihre sinnlosen Behauptungen und Spekulationen an den Mann zu bringen. Dazu haben sie im Laufe der Jahre extrem viel Müll im Internet verbreitet, der selbstverständlich auch bei Suchen gefunden wird - sei es im Web selbst mit z. B. Google oder sei es auf Plattformen wie YouTube.

Das erste Problem, das daraus entsteht ist, dass es manchmal die Suche sehr erschwert. Oft muss man massenweise Chemtrail-Müll überfliegen, bis man mal zum gewünschten Suchergebnis kommt. Das raubt Zeit.

Das zweite Problem besteht darin, dass diese Verbreitung von Inhalten natürlich auch dafür sorgt, dass neue Anhänger gefunden werden - Fachfremde fallen schnell auf die vermeintlich leicht verständlichen Zusammenhänge herein. Und damit diese auch ansprechender sind, werden oft Kinder zur Verbreitung der Märchen eingesetzt, wie es u. a. auch schon bei „Sauberer Himmel“ praktiziert wurde.

Leider werden die Chemtrail-Märchen auch von Firmen verbreitet, von denen man es nicht erwartet hätte, die aber eine sehr große Reichweite haben. Zum Beispiel T-Home/Deutsche Telekom:

Im Prinzip kann man da nur die Frage stellen: Arbeiten dort Leute, die Physik abgewählt hatten oder will die Telekom nur Geld einnehmen, wobei denen Attacken auf Flugzeuge und misshandelte Kinder egal sind? Die Antwort weiß wohl nur die Telekom. Wie auch die Antwort auf die Frage: Wie können Mitarbeiter, die anscheinend frei von Physikkenntnissen sind, Ahnung von Telekommunikation haben?

Das Schlimme ist, dass der Deutschen Telekom all die genannten Gefahren völlig egal sind, denn sie kündigte an, das Angebot dieser Filme sogar noch auszuweiten. Hier entsteht tatsächlich der Eindruck:
Kindesmisshandlung durch MMS? Laserattacken auf Flugzeuge? Rechte Tendenzen? Masernausbreitung durch Impfgegner? Das ist der Telekom doch egal, wenn das Geld stimmt!

Ich denke, man sollte schon überlegen, ob man solch einem unethisch vorgehenden Unternehmen sein Geld gibt. Es gibt Alternativen. Denn:

Dank Meinungsfreiheit kann man nicht verbieten, dass die Leute Müll und Märchen verbreiten. Man kann aber so viel Verantwortung haben, nicht zur Verbreitung dieses Mülls beizutragen. Und hierbei ist die Telekom absolut verantwortungslos.

Wir sehen also, dass die Chemtrail-Verschwörungstheorie alles andere als harmlos und lustig ist.

Überarbeitet: 21.06.2016 [⇧]