Fragen und Antworten zu Chemtrails (11 / 56)

Wo ist die Lücke geblieben?

Chemtrail-Gläubige verstehen fehlende Lücke nicht
"Sauberer Himmel" sieht die Lücke nicht. Quelle: "Sauberer Himmel"

Immer wieder versuchen Chemtrail-Gläubige mit irgendwelchen physikalischen Zusammenhängen nachzuweisen, dass es sich bei den Kondensstreifen um Chemtrails handeln müsse. So auch bei der Lücke - sie wollen zeigen, dass sich zwischen Triebwerk und Beginn des Streifens keine Lücke befinde und die heiße Luft sofort zum Streifen würde.

Dabei zeigen sie jedoch nur, dass sie nicht gucken können, dass sie das Aussehen von Flugzeugen nicht kennen und schon gar nicht deren Funktionsweise.

Woran kann es also liegen, dass die Chemtrail-Gläubigen die Lücke vermissen?

Wetterbedingungen in der Höhe

Die starken Kondensstreifen zeigen schon mal die Wetterbedingungen in der Höhe des Flugzeugs. Die Luft muss gesättigt bzw. übersättigt und kalt gewesen sein, so dass die Feuchtigkeit aus den Triebwerken nicht mehr aufgenommen wurde, sondern im Gegensatz sehr schnell kondensiert und/oder resublimiert ist. War die Luft sogar übersättigt, hat sie nur auf die Rußpartikel aus dem Triebwerk gewartet, die die Kondensationskerne dargestellt und dafür gesorgt haben, dass allein schon die Feuchtigkeit aus der Luft endlich resublimieren konnte. Die Nukleation nahm ihren Lauf. Man kann also nicht pauschal sagen, wie groß die Lücke sein müsste, weil dies schon von den Wetterbedingungen abhängt.

Triebwerke des A380

Anordnung der Triebwerke

Auf den Bildern der Chemtrail-Gläubigen sieht man manchmal, dass die Streifen an den Enden der Tragflächen entstehen (in Flugrichtung gesehen). Meist handelt es sich dabei um den Airbus A380. Aber: Wo sind denn bei einem A380 die Triebwerke? Sie sind nach vorn versetzt angebaut, also vor den Triebwerken. Wenn der Streifen am Ende der Tragfläche beginnt, ist immer noch eine mehrere Meter große Lücke (A380: 6,50 m) enthalten (man beachte insgesamt die Dimensionen der A380-Tragflächen). Das ist auch gut auf dem linken Bild zu sehen, bei dem das Flugzeug mal etwas genauer betrachtet wurde (was den Chemtrail-Gläubigen ja verboten ist).

Leistung der Triebwerke

Dazu kommt dann noch, dass das Triebwerk eines A380 schon eine etwas größere Leistung als das einer kleinen Boeing 737 hat. Dadurch wird natürlich etwas mehr Feuchtigkeit ausgestoßen, die aus der Verbrennung resultiert. Dies ist aber nur die eine Seite, eine andere Ursache hängt mit der Technik des Triebwerks zusammen.

Triebwerk des A380

Aktuelle Jets haben Mantelstromtriebwerke. Diese arbeiten mit einem Kernstrom, der den Verbrennungsprozess durchläuft und die Energie für den Rest zur Verfügung stellt. Außen gibt es hingegen noch den Mantelstrom, der bei modernen Jets den Großteil der Schubkraft liefert. Dieser Nebenstrom, der Mantelstrom also, wird jedoch am Triebwerk vorbeigeleitet; er ist somit nicht so heiß wie der Kernstrom. Da ein großer Anteil des Mantelstroms nicht nur Kerosin spart, sondern auch andere Vorteile hat, ist man natürlich bestrebt, das Verhältnis des Nebenstroms zum Kernstrom zu optimieren, so dass der Anteil des kühleren Mantelstroms zugenommen hat. Und wenn der Mantelstrom nicht die Temperatur der Abgase aus der Verbrennung hat, braucht er natürlich wesentlich weniger Zeit, um sich an die Umgebungstemperatur anzupassen.

Deshalb zusammengefasst: Je moderner der Jet, desto mehr Mantelstrom, desto mehr kühlerer Ausstoß, desto weniger Zeit zum Resublimieren. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass man bei den Chemtrail-Gläubigen Bilder moderner Airliner sieht, wo sie ihre Lücken vermissen.

Außerdem führt der starke (Frei-) Strahl dazu, dass das umgebende Fluid stark angesaugt und so eine Kondensation/Resublimation auch nicht gerade beeinträchtigt wird.

In diesem Zusammenhang muss natürlich auch beachtet werden, dass zuerst die äußerste Fläche der Abgase Kontakt zur kalten Umgebungsluft hat. Es muss also nicht der gesamte Durchmesser der Abgase vereisen, damit Eis zu sehen ist. Im Inneren kann es durchaus noch warm sein, während die kalte Luft an der Grenzfläche die Feuchtigkeit nicht aufnehmen kann - man sieht dort schon den Streifen. Gewässer vereisen auch von der Oberfläche her und nicht sofort in einem Stück.

Perspektive

Nichts ist, wie es scheint

Neben den Faktoren wie Menge der Abgase und Wetterbedingungen spielt bei der Beobachtung der Kondensstreifen auch die Optik eine große Rolle. Wenn man zum Beispiel ein Flugzeug schräg von hinten beobachtet, scheinen die Kondensstreifen wesentlich dichter am Triebwerk zu beginnen, als wenn man das Flugzeug von schräg vorn sehen würde. Hier macht es einfach die Perspektive.

Lichtverhältnisse

Weiterhin muss aber für Auswertungen auch das Licht beachtet werden. Abhängig von Sonneneinstrahlung, Winkel zur Sonne und Hintergrund wird mal mehr der Abgase ausgeleuchtet und mal weniger. Phänomene, die hier eine Rolle spielen, sind zum Beispiel atmosphärische Effekte (Flimmern), Reflexion, Beugung und Brechung. So kann das Weiß des Kondensstreifens bei Beleuchtung von hinten durchaus auch so reflektiert werden, dass das in den sich weiter vorn befindlichen Abgasen sichtbar wird - vor allem noch dazu bei dunklem Hintergrund, also blauem Himmel. Befindet sich der Kondensstreifen jedoch vor hellerem Hintergrund, wie milchigem Himmel oder anderer Bewölkung, wird man vom Streifen weniger sehen. Man kann also nicht immer davon ausgehen, dass das, was man hell sieht, auch tatsächlich der Kondensstreifen ist.

Auf der rechten Seite sind ein paar Beispiele dargestellt. Die Flugzeuge auf den Bildern 1 und 2 hatten gar keine Kondensstreifen - hier sieht man einfach nur das Weiß anderer Bewölkung in den Abgasen. Der Kondensstreifen auf Bild 3 ist nicht unterbrochen, sondern er wird durch das Flimmern durch die Abgase des unten fliegenden Flugzeugs verwischt, so dass er nicht mehr klar sichtbar ist. Das untere Flugzeug von Air Berlin auf Bild 4 hat auch auf dem Dach keine weiße Erhebung, sondern das Weiß des Flugzeugs erscheint im Abgasstrahl des startenden Flugzeugs. Und bei dem Flugzeug auf Bild 5 brennen auch die Triebwerke nicht, sondern hier wird nur das Sonnenlicht im Abgasstrahl sichtbar.

Also: Nicht immer ist es so, wie es scheint. Das, was weiß sichtbar ist, muss nicht immer der Kondensstreifen sein. Man muss beachten, dass bereits am Triebwerk feuchte Luft ausströmt, die, auch wenn sie noch nicht kondensiert/resublimiert ist, weiß aussehen kann.

Ein schönes Foto dazu

26.10.2013

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