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01.12.2015: Der Nordkurier und die Airways

Im Nordkurier ist ein lustiger Artikel, bei dem man eigentlich nicht davon ausgehen kann, dass der ernst gemeint ist: Mysteriöses Nebelkreuz über Glasow.

Auf die Schnelle ein paar Bemerkungen dazu:

Ein Herz am Himmel, gezeichnet vom Kondensstreifen eines Flugzeuges, kann jeder deuten. Ein Verliebter lässt es von einem Piloten zeichnen, um der Angebeteten zu sagen, wie sehr er sie liebt. Aber so ein Herz verflüchtigt sich schnell.

Das hat mit Kondensstreifen nichts zu tun, das ist Skywriting. Die Figuren am Himmel werden dabei mit Rauch gezeichnet.

Glasows Altbürgermeister Gert Zweigler beobachtete über Glasow nicht ein Herz, sondern ein exakt gezeichnetes Kreuz, das sich direkt über seinem Ort bis zum Horizont von Ost nach West und von Nord nach Süd spannte.

Sind Straßenkreuzungen nicht auch oft exakte Kreuze? Genau so verhält es sich auch mit Kreuzungen von Airways. Hier auf „World Hi“ klicken, dann sind die Airways mit den Kreuzungen zu sehen: skyvector.com. Wenn die Luft ausreichend feucht ist, sieht man auf genau diesen Airways in den feuchten Regionen auch die Streifen als Kreuze. Und was findet man auf der Karte bei Glasow?

„Ich bin mir sicher, dass es sich nicht um Kondensstreifen von Flugzeugen handelte. Denn diese Streifen verflüchtigen sich sehr schnell, das Kreuz hingegen hielt sich über Stunden am Himmel, es war hingenebelt und sank langsam in Richtung Erde.“

So ist es eben, wenn sich Kondensstreifen nicht auflösen können.
Das weiß man schon seit mindestens 1919: L.Weickmann, Die Naturwissenschaften / Zeitschriftenband (1919) / Zeitschriftenheft / Miszelle / 625 - 628: Wolkenbildung durch ein Flugzeug.
Noch ein Beispiel von 1941: Himmelsschrift des Krieges.

Zweigler überraschte dabei die Exaktheit der Zeichnung.

Ja, viele Flugzeuge fliegen stur geradeaus. Und an Kreuzungen kreuzen sich die geraden Linien.

Er möchte wissen, was da am Himmel versprüht wurde.

Was eben sichtbar in Kondensstreifen ist: Feuchtigkeit.

Waren die Militärs am Werk und spielten über Glasow ein Szenario ab?

Die Frage ist nicht unberechtigt, denn es gibt tatsächlich Regionen, in denen militärische Übungen am Himmel stattfinden. Dort sieht man dann auch mal ungewöhnliche Muster von Kondensstreifen. Glasow gehört jedoch nicht dazu, die nächste entsprechende Region ist die ED-R 206/306 nordwestlich von Glasow. Diese zieht sich gen Nord bis Fischland/Zingst/Darß. Dies können wir also für Glasow ausschließen.

„Nach Rücksprache mit unserem Lagezentrum sind uns militärische Operationen beziehungsweise Übungen im genannten Bereich nicht bekannt“, teilte Steffen Zilling vom Landeskommando der Bundeswehr in Schwerin auf Anfrage mit. Das Amt für Luftsicherheit, ebenfalls befragt, verwies auf die Landesluftfahrtbehörde. Dort, so sagte eine Sprecherin, werden so genannte Aufstiegserlaubnisse ausgereicht, wenn zum Beispiel auch die Liebesherzchen an den Himmel genebelt werden.

Und hier haben wir eben den Trugschluss: Diese Kondensstreifen haben rein gar nichts mit irgendwelchen Plätzen in der Nähe zu tun. Es sind die Streifen der Überflieger von/nach Amsterdam, London, Frankfurt, Asien, sonstwo.

Ob es am besagten Tag eine solche Aufstiegserlaubnis gab, wird derzeit geprüft.

Deshalb wird diese Prüfung in Bezug auf diese Streifen ergebnislos bleiben müssen. Glasows Altbürgermeister Gert Zweigler hätte aber einfach mal auf das Flightradar sehen können: flightradar24.com. Dort gibt es auch eine Playback-Funktion und so hätte er ganz leicht herausgefunden, welche Flugzeuge für diese Streifen verantwortlich waren. Oder er hätte Panespotter gefragt oder die DFS oder - naja, eben jemanden, der die Überflieger kennt. Dem Artikel nach war der Nordkurier nicht gerade die beste Wahl …