Wie entstehen farbige Wolken oder Kreise?

Nebensonne als Haloerscheinung Irisierende Wolken

Der Oberbegriff für Farben und Kreise am Himmel ist "Photometeore". Hier sind alle optischen atmosphärischen Effekte zusammengefasst, wobei die Chemtrail-Gläubigen bei ihren Beobachtungen meist die Nebensonnen als Haloerscheinung und die irisierenden Wolken sehen dürften. Wie entstehen nun diese Erscheinungen?

Die Grundlage dafür ist natürlich, dass man weiß, dass Wolken aus Tröpfchen (niedrige bis mittelhohe Wolken) und/oder aus Eiskristallen (mittelhohe bis hohe Wolken) bestehen, also aus Feuchtigkeit - was ja auch für das Entstehen eines Regenbogens die Voraussetzung ist. Dabei können die Tröpfchen groß oder klein sein; die Eiskristalle können verschiedene Formen haben. Trifft nun das Sonnenlicht auf diese Partikel, gibt es verschiedene Verhaltensweisen - das Licht kann gebeugt (vor allem an Tröpfchen), gebrochen (an Eiskristallen), gestreut bzw. reflektiert werden.

Das Licht wiederum besteht aus verschiedenen Farben mit verschiedenen Wellenlängen. Diese verhalten sich bei den einzelnen Vorgängen unterschiedlich, so dass es zu Farbverschiebungen bzw. -überlagerungen kommen kann - diese Farben werden dann sichtbar. Abhängig ist dies natürlich wiederum vom Winkel, in dem das Licht auf die Teilchen auftrifft. Aufgrund der Form der Sonne und des damit in allen Richtungen gleichen Winkels ergeben sich dann manchmal die Kreisformen.

Leider schmeißen die Chemtrail-Gläubigen aber alles in einen Topf - schön geformte Wolken sind die "normalen" Wolken, der Rest ist verschmierter Himmel. Dabei gibt es schon allein bei der Höhe der Wolken riesige Unterschiede - was sich wiederum darauf auswirkt, ob es Tröpfchen oder Eiskristalle sind und somit darauf, um welche optischen Effekte es sich handelt.

Ein sehr guter Artikel dazu: Jan Hattenbach: Blog-Flashback #7: Aber Halo!

Unterschiedlich hohe Bewölkung

Das Bild wurde aus einem Airliner in der normalen Reiseflughöhe von ca. 11 km aufgenommen - also in der Höhe, in der angeblich gesprüht wird. Man sieht allerdings, dass sich weit unter dem Flugzeug ebenfalls Bewölkung befindet. Dabei handelt es sich um die mittelhohe Bewölkung (Tröpfchenwolken), in deren Höhe für gewöhnlich keine Airliner-Jets unterwegs sind. Das heißt aber, dass in diesem Bereich nicht die vermeintliche Sprüherei erfolgt - und trotzdem kann es auch in dieser Höhe den scheinbar verschmierten Himmel geben, nämlich Altostratus. In dieser Höhe werden - von unten betrachtet - manchmal die irisierenden Wolken sichtbar, hier vor allem an Altocumulus.

Im Hintergrund oben sieht man in der Höhe des Flugzeugs Wolken. Hierbei handelt es sich meist um Eiswolken, die hohen Wolken, die mit "Cirr" bzw. "Zirr" beginnen, wie zum Beispiel Cirrus. In diesen Wolken können wir die Halos sehen. Typisch - und sicher am meisten gesehen - sind dabei die Nebensonnen, die sehr schön farbig sein können. Diese können sich auf beiden Seiten der Sonne befinden, jeweils in einem Abstand von 22°.

Leider ist das Thema etwas zu umfangreich, als dass hier alles vorgestellt werden könnte. Als Ausgangspunkt für weitere Recherchen ist die Wikipedia-Seite http://de.wikipedia.org/wiki/Photometeore sehr nützlich und empfehlenswert. Wer sich genauer dafür interessiert, sollte sich die Website des „Arbeitskreis Meteore“ ansehen: Haloarten. Weitere Quelle: kachelmannwetter: Was sind Haloerscheinungen?.

Zusammengefasst kann aber genannt werden:

Nebensonne in Cirrus

Tröpfchen- und Eiswolken sowie Sonne und Optik gibt es schon immer und somit auch die farbigen Wolken und anderen Erscheinungen. Auf manche Erscheinungen wird man etwas seltener gestoßen sein, weil sie sich dort befinden, wo man eigentlich nicht immer hinblickt: In der Nähe der Sonne blendet es und der Zirkumzenitalbogen befindet sich sehr weit oben, wo man den Blick eher selten hat. Es mag aber durchaus sein, dass man sie jetzt etwas öfter sieht, da es durch den starken Flugverkehr ja tatsächlich mehr hohe Wolken gibt. Und vor allem wird es so sein, dass man durch die Märchenerzählereien von Storr, Altnickel, Conrebbi & Co. etwas öfter gen Himmel sieht und bewusst beobachtet. Personen, die das als Hobby betreiben, haben das aber auch schon vorher getan. Mit Chemtrails haben diese Erscheinungen somit nichts zu tun. Und wer das nicht glaubt, kann einfach bei Sonnenschein den Rasensprenger einschalten und in verschiedenen Winkeln auf die Tröpfchen sehen. Auch da wird man ähnliche Effekte entdecken.

Von 1827, als es weder Flugzeuge noch HAARP gab, stammen übrigens Schuberts Nebensonnen:

23. Die Nebensonnen

Drei Sonnen sah ich am Himmel steh'n,
Hab' lang und fest sie angeseh'n;
Und sie auch standen da so stier,
Als könnten sie nicht weg von mir.

Ach, meine Sonnen seid ihr nicht!
Schaut Andren doch ins Angesicht!
Ja, neulich hatt' ich auch wohl drei;
Nun sind hinab die besten zwei.

Ging nur die dritt' erst hinterdrein!
Im Dunkeln wird mir wohler sein.

Und auch 1493 wird es mit Sicherheit noch keine Jets gegeben haben:
Historische Einblattdrucke zum Thema Haloerscheinungen

Eisnebelhalos

Eine Besonderheit gibt es im Winter, wenn sich Eiskristalle in der Luft befinden. Dann können darin ebenfalls Halos entstehen, die besonders intensiv und farbfreudig sind:


’s Geili-Phänomen

Am 30.01.2014 war im Erzgebirge, an Fichtelberg und Keilberg, ein relativ seltenes Phänomen zu sehen, viele Halos auf einmal. Im Video wird es gezeigt und die einzelnen Halos werden gekennzeichnet - fast schon ein kleines Lehrvideo:

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