Sauberer Himmel: Achterstreifen

Achterwolken

Wikipedia: "Zwischen Triebwerk und Kondensstreifen ist immer eine charakteristische Lücke zu beobachten"

Wir erinnern uns: "Kondensstreifen sind anthropogene Wolken aus Eiskristallen oberhalb von etwa 8 km. Sie entstehen, wenn sich heiße Triebwerksabgase von Luftfahrzeugen mit kalter Luft vermischen. (...) Da der Kristallisierungsprozess eine gewisse Zeit erfordert, ist zwischen Triebwerk und Kondensstreifen immer eine charakteristische Lücke zu beobachten." (Quelle Wikipedia)

Was ist denn nun passiert? Die Wikipedia ist doch bei den Chemtrail-Gläubigen als Quelle so verschrien? Und selbst Herr Storr hat letztens erst seinen Krieg gegen sie geführt. Doch nun nimmt man sie als Quelle und bezieht sich auf einen ihrer Inhalte? Ja, so ist das bei den Chemtrail-Gläubigen - man nimmt das, was man braucht; was man zur Verbreitung der Chemtrailmärchen verwenden kann.

Der Flugzeugspotter und Chemtrail-Zweifler Martin Wagner, der in der Zwischenzeit übrigens nicht mehr ausschließen möchte, dass an anderen Orten in Deutschland Chemtrails versprüht werden, berichtet auf seinem Blog:

"In seltenen Ausnahmefällen (ca. 1 %) fängt der Kondensstreifen sogar noch dichter am Triebwerk an."

Und sogar auf Martin Wagner bezieht man sich?

Aber klar - das alles kann man ja gut zur Grundlage eigener Spekulationen machen - auch, wenn man wieder mal total daneben liegt.

Fakt ist: Beide Aussagen - die von Wikipedia und die von Martin Wagner - stimmen. Wie immer können die Leute vom Sauberen Himmel nur nicht richtig gucken und dass Physik alles andere als ihre Stärke ist, haben sie oft genug gezeigt. Und so kommt es wieder zu den Spekulationen.

Tja, diese seltenen Ausnahmefälle sind heute praktisch die Regel geworden. Etliche Flugzeuge diverser Fluggesellschaften hinterlassen "Kondensstreifen", die physikalisch nicht mehr zu erklären sind.

Diese Worte von jemandem, bei dem farbig glitzernder Schnee von Fallout kommen muss, wirken sehr amüsant. Warum sie physikalisch nicht mehr zu erklären sind, wird uns natürlich verschwiegen.

Hier sehen Sie ein schönes Beispiel:

[… Bilder …]

Dichter kann ein "Kondensstreifen" nicht aus einem Triebwerk kommen. Laut Wikipedia und Martin Wagner wäre dieser schnelle Kristallisierungsprozess praktisch unmöglich, was physikalisch auch geboten ist.

Triebwerke des A380

Ja, die Kondensstreifen beginnen scheinbar fast an den Tragflächen. Woran kann das liegen?

Wetterbedingungen in der Höhe

Die starken Kondensstreifen zeigen schon mal die Wetterbedingungen in der Höhe des Flugzeugs. Die Luft muss gesättigt bzw. übersättigt und kalt gewesen sein, so dass die Feuchtigkeit aus den Triebwerken nicht mehr aufgenommen wurde, sondern im Gegensatz sehr schnell kondensiert und/oder resublimiert ist. War die Luft sogar übersättigt, hat sie nur auf die Rußpartikel aus dem Triebwerk gewartet, die die Kondensationskerne dargestellt und dafür gesorgt haben, dass allein schon die Feuchtigkeit aus der Luft endlich resublimieren konnte. Die Nukleation nahm ihren Lauf.

Anordnung der Triebwerke

Was die Leute um Herrn Storr wohl nie verstehen werden und auf den Mini-Bildchen der Streifenknipser auch nur schwer erkennbar ist: Wo sind denn bei einem A380 die Triebwerke? Sie sind nach vorn versetzt angebaut, also vor den Triebwerken. Wenn da der Streifen am Ende der Tragfläche beginnt, ist immer noch eine mehrere Meter große Lücke enthalten (man beachte die Dimensionen der A380-Tragflächen). Das ist auch gut auf dem linken Bild zu sehen, bei dem das Flugzeug mal etwas genauer betrachtet wurde (was den Chemtrail-Gläubigen ja verboten ist).

Leistung der Triebwerke

Dazu kommt dann noch, dass das Triebwerk eines A380 schon eine etwas größere Leistung als das einer kleinen Boeing 737 hat. Dadurch wird natürlich etwas mehr Feuchtigkeit ausgestoßen. Außerdem führt der beim A380 starke (Frei-) Strahl dazu, dass das umgebende Fluid stark angesaugt und so eine Kondensation nicht gerade beeinträchtigt wird. Man darf nicht vergessen, dass auch (bzw. gerade) der Mantelstrom Schub erzeugen soll, er also komprimiert ist und sich nach dem Verlassen des Triebwerkmantels ausdehnt. Und was passiert beim Ausdehnen? Der Druck wird geringer, es erfolgt eine Abkühlung.

Perspektive

Nichts ist, wie es scheint

Neben den Faktoren wie Menge der Abgase und Wetterbedingungen spielt bei der Beobachtung der Kondensstreifen auch die Optik eine große Rolle. Wenn man zum Beispiel ein Flugzeug schräg von hinten beobachtet, scheinen die Kondensstreifen wesentlich dichter am Triebwerk zu beginnen, als wenn man das Flugzeug von schräg vorn sehen würde. Hier macht es einfach die Perspektive. Dies spielt bei den hier gezeigten Fotos des Sauberen Himmel allerdings keine große Rolle, da das Flugzeug ungefähr von unten beobachtet wurde.

Lichtverhältnisse

Weiterhin muss aber für Auswertungen auch das Licht beachtet werden. Abhängig von Sonneneinstrahlung, Winkel zur Sonne und Hintergrund wird mal mehr der Abgase ausgeleuchtet und mal weniger. Phänomene, die hier eine Rolle spielen, sind zum Beispiel atmosphärische Effekte (Flimmern), Reflexion, Beugung und Brechung. So kann das Weiß des Kondensstreifens bei Beleuchtung von hinten durchaus auch so reflektiert werden, dass das in den sich weiter vorn befindlichen Abgasen sichtbar wird - vor allem noch dazu bei dunklem Hintergrund, also blauem Himmel. Befindet sich der Kondensstreifen jedoch vor hellerem Hintergrund, wie milchigem Himmel oder anderer Bewölkung, wird man vom Streifen weniger sehen. Man kann also nicht immer davon ausgehen, dass das, was man hell sieht, auch tatsächlich der Kondensstreifen ist.

Auf der rechten Seite sind ein paar Beispiele dargestellt. Die Flugzeuge auf den Bildern 1 und 2 hatten gar keine Kondensstreifen - hier sieht man einfach nur das Weiß anderer Bewölkung in den Abgasen. Der Kondensstreifen auf Bild 3 ist nicht unterbrochen, sondern er wird durch das Flimmern durch die Abgase des unten fliegenden Flugzeugs verwischt, so dass er nicht mehr klar sichtbar ist. Das untere Flugzeug von Air Berlin auf Bild 4 hat auch auf dem Dach keine weiße Erhebung, sondern das Weiß des Flugzeugs erscheint im Abgasstrahl des startenden Flugzeugs. Und bei dem Flugzeug auf Bild 5 brennen auch die Triebwerke nicht, sondern hier wird nur das Sonnenlicht im Abgasstrahl sichtbar.

Also: Nicht immer ist es so, wie es scheint. Das, was weiß sichtbar ist, muss nicht immer der Kondensstreifen sein. Man muss beachten, dass bereits am Triebwerk feuchte Luft ausströmt, die, auch wenn sie noch nicht kondensiert/resublimiert ist, weiß aussehen kann.

Ist eigentlich schon mal aufgefallen, dass alle diese Beispiele des Sauberen Himmels von A380 stammen, meist von Emirates? Und: Wurden bei der Beurteilung der Fotos alle Faktoren berücksichtigt? Wohl nicht, denn sonst könnte man nicht solche Märchen verbreiten.

Bild 3 zeigt exemplarisch die typischen "Achter" einer relativ unauffälligen Sprühvariante, die wir schon auf dieser Webseite vorgestellt hatten. Auch am Ende dieses youtube-Videos kann man diese "Achter" schön erkennen.

Der Filmer dieses Videos hat sich auch schon köstlich über Herrn Storr amüsiert …

Die "Achter" - eine schöne Wortschöpfung durch den Sauberen Himmel für die einsetzende Crow-Instabilität. Physikalisch ist ganz klar, was da passiert, aber dass es der Saubere Himmel nicht versteht, ist auch nachvollziehbar. Im Video „Nebelanflug-mit-Wirbelschleppe“ kann man bei 00:28 die Ursache für diese "Achter" sogar hören.

In einem anderen Beitrag schreibt der Saubere Himmel:

Es sieht aus wie der Torso von Biene Maja.

Biene Maja

Daran und an diesem "Achter" sieht man schon, auf welchem Niveau sich das bewegt. Man versucht, aus kindlich naiver Sicht die Welt zu erkunden und sich dabei Zusammenhänge selbst zu basteln. Bei unseren Kindern war das ja ähnlich - als sie noch sehr klein waren, war das ein völlig normales Verhalten. Mit zunehmendem Wissenszuwachs haben sie aber gemerkt, wie sich die Realität tatsächlich verhält. Immer weniger haben sie auch an Weihnachtsmann, Osterhasen und Märchen geglaubt. Aber das setzt natürlich die Bereitschaft und Fähigkeit zur Wissensaneignung voraus.

Es ist an der Zeit, dass wir unsere Kritik an die Fluggesellschaften herantragen. Dazu haben wir uns auch schon etwas überlegt. Mehr dazu bald.

Da dürfen wir ja gespannt sein. Erstmal lenkt der Saubere Himmel wieder davon ab, endlich mal Beweise durch Probenentnahmen in Reisehöhe und ordentliche Dokumentationen der vermeintlichen Sprühflüge zu erbringen. Die Möglichkeiten dazu werden - wie immer - vertuscht. Zum Zweiten geht man wieder anderen Leuten mit Märchen auf den Keks - aber dafür darf man auf die Reaktionen gespannt sein. Wir freuen uns auf die Antworten.

Zitat des ehemaligen US-TV-Meteorologen Scott Stevens: "I haven't seen a global airline NOT participating in this program." (Quelle: http://weatherwars.info/).

Ja, und das Wetter wird durch HAARP manipuliert, Hurrikan "Katrina" ist durch japanische Wissenschaftler ausgelöst worden, das gesamte Wetter der Welt wird gesteuert und es gibt keine Flut, keinen Sturm, keinen Cyclon oder Dürre, denen nicht erlaubt ist, stattzufinden (Quellen: Wikipedia [engl.], Psiram). Wer solch einem Mann glaubt, glaubt auch an Märchen. Aber das ist eben das Problem: Chemtrail-Gläubige müssen glauben.

Wir glauben aber nicht nur. Wir können uns selbst davon überzeugen, dass das, was in der Wikipedia und bei Martin Wagner steht, der Wahrheit entspricht. Aber wir haben auch in Physik nicht geschlafen und dürfen etwas genauer an den Himmel gucken.

23.04.2012 [⇧]