Hat die ETH Zürich Chemtrails bestätigt?

Spoiler: nein, im Gegenteil.

Chemtrails von ETH Zürich bestätigt?
Nicht wirklich.

Grundlagen für das Verständnis

Es ist eigentlich eine Selbstverständlichkeit und wird auch immer wieder erklärt, u. a. auch auf chemtrail-fragen.de. Da es aber immer wieder Irritationen und Fehlinterpretationen gibt, weil irgendwas gefunden wurde, auch nochmal an dieser Stelle:

Die Erdkruste besteht nicht aus nichts. Irgendwas muss da ja drin sein, sonst könnten wir die u. a. schlecht anfassen. Und so finden wir in der Erdkruste alle möglichen Elemente in sehr vielen Verbindungen in zufälliger Häufigkeit. War die Erde zum Beispiel der Meinung, dass in die Region, wo sich heute Ungarn befindet, etwas mehr vom Element Aluminium soll, hat sie das mit dem Bauxit einfach so gemacht. Die Natur war auch der Meinung, dass sich bestimmte Pflanzen über Aluminium freuen könnten und so haben wir zum Beispiel in Farnen, Schachtelhalmen und im Teestrauch besonders viel davon.

Da die Natur also Verbindungen mit allen möglichen Elementen frei verteilt hat - mal konzentrierter, mal weniger konzentriert -, müssen wir natürlich schon aufgrund dieser Tatsache damit rechnen, dass wir in den Auswertungslisten von Analysen genau diese Elemente finden. Einen Grenzwert kann es dabei wegen der zufälligen Verteilung nicht geben. Würden wir zum Beispiel im Schwarzwald etwas analysieren lassen, würden wir sehr viel vom Element Barium finden - nicht umsonst wurde dort Baryt abgebaut. In anderen Regionen findet man dafür vielleicht kaum etwas davon.

Nun bleibt aber das Zeug, aus dem die Erdkruste besteht, nicht dort, wo es die Erde hinverfrachtet hat. Durch Erosion wird viel davon freigelegt; es wird weggeschwemmt, so dass es auf einmal auch ganz woanders vorhanden ist. Und dann gibt es noch die Luftbewegungen. Durch Wind wird das Zeug verweht, durch Aufwinde nach oben befördert. Dort wird es wiederum über große Strecken transportiert, bevor es vielleicht durch Abwinde oder Regen wieder nach unten gelangt. Diese Vorgänge finden in den Medien bei bestimmten Vorkommnissen wie Vulkanausbrüchen, Nuklearkatstrophen oder verwehtem Saharastaub Beachtung, aber diese Vorgänge finden immer statt. Kippt ein Mülllaster in Kanada etwas auf eine Müllhalde, kann es theoretisch durchaus sein, dass Staub davon in Deutschland ankommt.

Wir dürfen uns also nicht wundern, wenn wir die Elemente, die in der Erdkruste vorkommen, auch irgendwo finden. Dafür sorgen schon ganz allein die Natur und das Wetter - die natürlichen Prozesse also. Damit lebt der Mensch, seit es ihn gibt - also auch mit Aluminium, Barium usw. usf.

Dazu kommt nun aber noch der Mensch. Wir fördern das Zeug, bauen es ab, verarbeiten es und erstellen aus den Elementen ganz andere Verbindungen. Durch Industrie und Verkehrsmittel beförden wir das alles wiederum irgendwie in die Kreisläufe, in die Umwelt also; auch in unsere nähere Umgebung. Würden wir weiße Farbe analysieren lassen, könnte dort das Element Barium aufgeführt werden, denn in Bariumsulfat wird das auch schon mal dort verwendet. Schornsteine pusten Abgase in die Luft, wie auch Autos und - nun kommen wir zum eigentlichen Thema - natürlich Flugzeuge.

Diese Grundlagen sollten also eigentlich bekannt sein. Nicht so aber bei den Chemtrail-Gläubigen.

Studie der ETH Zürich

Die Atmosphärenforscherin Prof. Ulrike Lohmann beschäftigt sich mit Wolken. Diese wiederum sind untrennbar mit Aerosolen verbunden, denn sie stellen die Kondensationskerne dar. Von Aerosolen hängt also auch die Wolkenentstehung ab. Dies ist ein Forschungsschwerpunkt von Prof. Lohmann.

Nun wissen wir, dass auch Flugzeuge als Verkehrsmittel die Umwelt beeinträchtigen und durch die Kondensstreifen sogar klimawirksam sind. Daraus ergab sich das Projekt, in dem geklärt werden sollte, was Flugzeuge in der Luft hinterlassen, was mit den Wolken im Zusammenhang stehen könnte. Dabei sollte diesmal nicht nur der Feinstaub gemessen werden, sondern konkreter das, woraus diese Abgase bestehen - um welche chemischen Elemente es also geht. Dazu wurden am Boden die Abgase dreier Flugzeuge beprobt.

Gleichzeitig wurden mögliche Quellen analysiert:

  1. Kerosin
  2. Schmierstoffe am Triebwerk
  3. Abrieb

Das Ergebnis der Beprobung der Abgase war nicht sonderlich überraschend, der Anteil von Kohlenstoff betrug 83 - 99 %.

Zusätzlich wurden natürlich noch ein paar andere Elemente gefunden, so auch das bei den Chemtrail-Gläubigen beliebte Aluminium und Barium. Allein schon aufgrund der prozentualen Angaben zu Kohlenstoff wird deutlich, dass das nicht viel sein kann - schon gar nicht so viel, wie Chemtrail-Gläubige immer wieder annehmen, dass es Fallout ergeben und am Boden ankommen könnte. Aber die Chemtrail-Gläubigen vermuten meist, dass Aluminium und Barium im Kersoin sei und so gesprüht würde.

Was sagt Frau Prof. Lohmann dazu? Hören Sie es im nebenstehenden Video.

Sind nun ein paar Prozent Aluminium im Treibstoff? Nein. Ein paar Tausendstel? Nein. Frau Prof. Lohmann betont „parts per million“, also millionstel Anteile. Auf gut Deutsch: Da ist kaum was drin - die paar Krümelchen können noch von der Erdkruste stammen (bekanntlich kommt Erdöl von dort), von Verunreinigungen oder vielleicht auch von Additiven. Wie auch immer, aus den paar Atomen zu schließen, dass die die manchmal fetten Streifen hinter einem Flugzeug ergeben würden, ist dann doch mehr als nur etwas naiv. Abgesehen davon: Würde man ein paar parts in eine million geben? Vielleicht erreicht man das ja durch homöopathisches Umkippen …

Im Abstract steht aber noch:

The potential sources considered were kerosene, engine lubrication oil and abrasion from engine wearing components. An unambiguous source apportionment was not possible because most metallic compounds were detected in several of the analyzed sources.

Wenn im Treibstoff kaum was ist, kann es also immer noch aus dem Öl oder vom Abrieb stammen. Beweis für irgendwelche Chemtrails? Nicht wirklich.

Fazit

Es gibt umfangreiche Bestrebungen, ungewollte menschliche Einflüsse auf Umwelt bzw. Klima zu reduzieren. Dazu muss man jedoch die Zusammenhänge verstehen - auch, was die Wechselwirkung von motorbetriebenen Verkehrsmitteln mit Wolken bzw. der Umgebungsluft betrifft, hier also von Flugzeugen. Aus diesem Grund gibt es vielfältige Forschung dazu, so auch vom DLR, durch CARIBIC und eben auch durch die ETH Zürich. Die Ergebnisse dieser Forschung dienen dem Ziel, die so verstandenen Zusammenhänge in ein Reduzieren der Umwelteinflüsse einzubringen. Solche Studien dienen also nicht nur dazu, zu wissen, was sich irgendwo befindet, sondern es soll der Zusammenhang der einzelnen Punkte mit dem Verhalten von Wolken geklärt werden. Dass sich Elemente in den Abgasen befinden, ist seit jeher bekannt. Hier ging es darum, welche Elemente es sind, die sich dann auf die Umwelt auswirken.

Die Chemtrail-Gläubigen, denen bekanntlich jegliche Grundkenntnisse u. a. in den Naturwissenschaften fehlen, verfolgen diese Forschung auch - aber eben auf ihrem Niveau. Sie nehmen sich ein paar Begriffe und bauen diese in ihr Weltbild ein - schon wurde für sie etwas bewiesen. Oft reicht dazu bereits die Überschrift.

Das Ergebnis dieser Studie auf diesem Niveau lautet dabei jedoch einfach: Abgase sind nicht sauber. Den meisten Leuten dürfte das jedoch auch schon vorher klar gewesen sein.

Es zeigt aber auch wieder das Problem der Chemtrail-Gläubigen, dass sie nicht dort nach Proben suchen, wo sich die angeblichen Chemtrails befinden. Abgase von Flugzeugen bekommt man relativ einfach. Dazu kann man einfach auf diverse Besucherterrassen gehen oder an den Flughafenzaun. Ich erinnere nur an SXM, wo sich die Leute direkt in den Abgasstrahl stellen (was allerdings nicht ganz gefahrlos ist, denn da zieht/schiebt es doch etwas mehr). Das hätte man also schon immer machen können, dazu braucht man keine Studie der ETH.

Proben aus der Reiseflughöhe, von dort also, wo sich die Streifen befinden, meiden die Chemtrail-Gläubigen. Billigflug und Wetterballon sind nur zwei Beispiele, wie man sowas problemlos erledigen könnte. Auch die Studien von „CARIBIC“, wo man seit vielen Jahren Proben in der Reiseflughöhe nimmt, bleiben durch die Chemtrail-Gläubigen unerwähnt. Der Grund dürfte klar sein: Die Wortführer der Chemtrail-Gläubigen wissen genau, dass sie dort nichts finden, was über den natürlichen Konzentrationen liegt.

Also müssen sie jeden Strohhalm ergreifen, bei dem die Leute glauben könnten, dass irgendwie Chemtrails bewiesen wurden - und sei es noch so an den Haaren herbeigezogen oder gar gelogen.

Innenleben eines Chemtrailbombers?

Nebenbei

Bei der Erwähnung der Studie durch die Chemtrail-Gläubigen verwenden diese noch weiteres Material.

So dient ihnen als Blickfang ein Foto, das immer wieder das Innenleben eines Chemtrail-Bombers zeigen soll. Allerdings ist es wie immer bei den Chemtrail-Gläubigen: Sie haben das Foto geklaut, hier von x-plane.com.

Auf dem Foto sind Ballasttanks der Boeing 777 N60659 zu sehen, die bei der Flugerprobung eines neuen Flugzeugmusters verwendet werden. Mehr dazu finden Sie auf chemtrailbilder.de.

Auf verschiedenen Websites der Chemtrail-Gläubigen, zum Beispiel auf skallsfrommars.wordpress.com, wird ein Video verlinkt, in dem ZDF, ARD und NDR angeblich von Chemtrails berichtet hätten. Aber das ist Quatsch - da hat jemand alles Mögliche, was zu den Spekulationen der Chemtrail-Gläubigen passt, einfach zusammengeschnitten und diesen Scheinzusammenhang gebastelt. Jedes Thema in diesem Film (abgesehen von der Anhörung in Shasta) hat seine Berechtigung - zusammengewürfelt, wie in diesem Video, ergibt es jedoch nur Müll.

Ganz offen gelogen wird auch - Jörg Kachelmann wurde eine Aussage in den Mund gelegt, die er so nie getätigt hat. Sehen Sie den Vergleich im Video „Die Lügen der Chemtrail-Gläubigen“ - den Ausschnitt aus dem Video der Chemtrail-Gläubigen und das Original von Jörg Kachelmann.

Verwiesen wird auch in diesem Zusammenhang auf eine Anhörung in Shasta, in der angebliche Meteorologen, Piloten usw. ausgesagt hätten. Darauf muss nicht groß eingegangen werden, denn welchen Quatsch die dort von sich geben, wird recht schnell deutlich.

19.11.2016 [⇧]