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10.12.2012: Ryanair gegen The Aviation Herald

Boeing 737-800 von Ryanair
Boeing 737-800 von Ryanair

Der Aviation Herald ist bekannt dafür, dass er Fakten zu Vorfällen in der Luftfahrt bringt - ohne Wertung. Dies dient natürlich auch der Sicherheit im Luftverkehr, da man aus Ereignissen Schlussfolgerungen zieht, damit sich eben solche Ereignisse möglichst nicht wiederholen. Leser können dazu Kommentare hinterlassen. Nun gab es den Fall, dass Ryanair ein paar Kommentare nicht gefielen und die Airline so gegen den Herald schießt:

The Aviation Herald under legal threat by Ryanair

Es mag schon sein, dass die Kommentare nicht hätten sein müssen oder dass der Betreiber, Simon Hradecky, sie einfach hätte löschen können. Vielleicht ist Ryanair im Recht, vielleicht auch nicht. Aber:

Die Frage ist, ob sich Ryanair damit einen Gefallen tut. Man muss ja bedenken, dass die eigentliche Zielgruppe von Ryanair vor der Wahl eines Fluges sicher nicht auf einer Website sucht, auf der es speziell um fachliche Belange der Fliegerei geht - eher werden die Leute aus dieser Zielgruppe durch die Medien beeinflusst. Das heißt, dass wohl kaum jemand von den potenziellen Passagieren die Kommentare beim AV Herald gelesen hätte. Umso mehr hat es aber den Anschein, als ob Ryanair unliebsame Kommentare unterdrücken möchte. Selbst wenn Ryanair im Recht wäre, liest man dies immer wieder aus Kommentaren beim AV Herald heraus und auch in den Medien (also da, wo die potenziellen Passsagiere lesen) kommt es in Kommentaren zum Ausdruck, wie zum Beispiel bei Spiegel Online. Warum geht Ryanair gegen einen Websitebetreiber vor, aber nicht gegen Medien?

Gegen Ryanair wurde viel ungerechtfertigtes Bashing betrieben, indem überzogen berichtet wurde. Simon Hradecky hat beim AV Herald jedoch immer neutral berichtet, so dass man aufgrund der Fakten sah, dass auch ungerechtfertigt über Ryanair hergezogen wurde. Simon hat also Ryanair sogar geholfen. Und gegen den Betreiber schießt Ryanair nun.

Selbst war ich noch nie ein Fan von Ryanair. Allerdings habe auch ich in Foren relativiert, also auch im Sinne von Ryanair geschrieben. Durch den Anschein, dass Ryanair Kommentare unterdrücken will (sei es nun wirklich so oder nicht), werde ich mir aber überlegen, ob ich weiterhin pro Ryanair schreiben werde. Und auch ich gehöre zu den vielen, die sich nun erst recht sagen: Ryanair? Nein, danke!

Erinnert sei übrigens auch an den Streisand-Effekt. Die Information zu dem Vorfall bei Memmingen wird so nun erst recht weitergetragen, begleitet eben vom Eindruck, dass Ryanair etwas gelöscht haben möchte. Ob Ryanair das so wollte? Nicht immer ist es günstig, sein Recht in Anspruch zu nehmen.

Zum eigentlichen Vorfall:
Incident: Ryanair B738 at Memmingen on Sep 23rd 2012, descended below minimum safe height
Bericht der BfU
Berliner Morgenpost: Rückenwind für "schwere Störung" verantwortlich
Thread im Flightforum

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