Info: Der Himmel über Berlin - eine Dokumentation des Himmels

Der Himmel über Berlin im Jahr 2015?

In der Collage sehen wir Fotos vom Himmel über Berlin, die im Zeitraum eines ganzen Jahres entstanden sind. Sieht das nicht schön blau aus?

Ja, den Anschein hat es, es ist aber falsch. Die Bilder wurden selektiv gewählt - eben nur die Bilder, auf denen viel blauer Himmel zu sehen ist. Es ist die gleiche Methode, die heute immer wieder angewandt wird und die uns allen einen subjektiven Eindruck vermittelt:

Aber was ist nun wirklich dran?

Im Voraus: Es wird niemand bestreiten, dass die Luftfahrt eine besondere Belastung für die Umwelt darstellt. Es werden natürlich Schadstoffe ausgestoßen, wie es bei jedem Verkehrsmittel mit Verbrennungsantrieb der Fall ist. Und Kondensstreifen sind sogar klimawirksam. Aus diesem Grund wird intensiv daran geforscht, wie diese Umstände zum Positiven zu beeinflussen sind.

Nichtsdestotrotz wird oft extrem übertrieben. Sieht man ständig Bilder von Kondensstreifen, hat man natürlich den Eindruck, dass es viele wären. Selbstverständlich wird man jeden Tag irgendwo auf der Welt Streifen sehen und selbstverständlich wird es immer irgendwo trübes Wetter geben. Nimmt man sich aber den Himmel an einem Ort und sieht man sich dort die Häufigkeit an, ergibt sich ein ganz anderes Bild. Und so sieht es auch mit der Verteilung der trüben Tage aus.

Was also dank der schnellen Verbreitung von Informationen oft übersehen wird, ist, dass es auch noch den ganz normalen Zustand gibt. Da dieser jedoch eben nichts Besonderes an sich hat, wird der schlicht vergessen - man erinnert sich an das Herausragende bzw. der subjektive Eindruck wird durch Überflutung mit Bildmaterial vom gegenwärtigen besonderen Zustand geprägt. Den Rest gibt es dann einfach nicht mehr.

Aus diesem Grund habe ich seit Ende 2014 versucht, den Himmel über Berlin per Bild zu dokumentieren, um auch mal den Vergleich mit den sonst unbeachteten Normalzuständen zu haben. Und um es vorweg zu nehmen:

Der Himmel drückt das Wetter aus, das man von unserer Klimazone erwartet: wechselhaft, aber mit verschiedenen Häufungen. 2015 war das Wetter in Berlin sogar sehr sonnig, wie der Artikel in der Berliner Morgenpost zeigt: Der Himmel über Berlin – Tag für Tag.

Zu den Fotos/Videos

Ursprünglich wurde der Himmel über Berlin manuell mit Fotos dokumentiert (08:00 bis 20:00 alle zwei Stunden jeweils ein Foto in drei Richtungen). Ende April 2016 begannen erste Zeitraffertests mit einem sonst nicht mehr benötigten alten Windows-Phone (Lumia 520). Ende Juni stand dann das Optimum für einen durchgehenden Zeitraffer fest: alle 20 Sekunden ein Foto für einen 30fps-Zeitraffer. Seit dem 1. Juli 2016 sind die Zeitraffer einheitlich in diesem Format.

Bis einschließlich April 2016 sind deshalb die Fotos ab 08:00 zu sehen, im Mai und Juni 2016 die Testzeitraffer und ab Juli die optimalen Zeitraffer. Ab und zu fehlen leider ein paar Aufnahmen. Ein Hauptgrund ist Abwesenheit - das Phone schaltet nach ca. 24 Stunden ab, so dass bei Abwesenheit dort dann die Aufnahme endet. Möglich ist auch mal ein Absturz des Phones oder eine kürzere Wartung.


Die Wolken befinden sich in ca. 150 km Entfernung.

Die Zeitraffer werden ungefähr in Richtung West aufgenommen, bei den Fotos war es von Süd bis West. Das ist wichtig, denn in unseren Regionen gibt es überwiegend Westwetter; das Wetter kommt also sehr oft aus westlichen Richtungen. Bei Aufnahmen in diesen Richtungen kann man dann ggf. in der Ferne schon sehen, wenn sich ein Wetterwechsel andeutet. Beachten muss man dabei, dass man oftmals Wolken in einer Entfernung von bis zu 200 km sieht - wenn also „verschmierter Himmel“, wie es die Chemtrail-Gläubigen ausdrücken, zu sehen ist, kann der gut und gern auch mal 150 km entfernt sein. Und bekanntlich ist nicht überall das gleiche Wetter, so dass das nicht verwundern sollte.

Für eine Beurteilung ist jedoch ebenfalls notwendig, dass man ein paar Zusammenhänge zum Tagesverlauf in Verbindung mit Wetterlagen (bzw. auch Jahreszeiten) kennt. Abgesehen von Fronten und anderen Wetterwechseln kann es hier allein schon durch den Tagesgang Unterschiede geben. Haben wir zum Beispiel am Morgen noch die Wolkenreste der Nacht, lösen sich diese im Laufe des Vormittags auf. Irgendwann nach dem Mittag kann hingegen wieder Konvektion einsetzen, die zur Wolkenbildung mit unterschiedlichen Folgen führen kann. Bilden sich irgendwo Gewitterwolken, kann auch mal ein Amboss verweht werden, so dass es eine dünne Schicht feuchter Luft gibt.

Wenn man für eine Beurteilung also eine Uhrzeit wählen möchte, muss man solche Zusammenhänge beachten. Unter Idealbedingungen, wenn also nicht von irgendwo eine Luftschicht kommt, dürfte der Mittag die Zeit mit dem meisten blauen Himmel sein.

Aufnahme

Die manuellen Fotos wurden manuell mit einer Billig-Cam im Auto-Modus aufgenommen, die Zeitrafferfotos mit dem Nokia ebenfalls im Auto-Modus. Großer Wert wurde bereits bei den Fotos auf die immer gleiche Richtung gelegt, wobei es jedoch auch mal Abweichungen gab. War zum Beispiel vor der Linse ein fetter Cumulus, wurde der Winkel auch mal etwas verändert, um zu sehen, dass sich links und/oder rechts blauer Himmel befindet. Oder gab es neben dem Bildausschnitt Streifen, wurde auch hier etwas variiert, um den Streifen mit ins Bild zu kommen. Es sollte also möglichst viel von den tatsächlichen Bedingungen abgebildet werden. Das Nokia ist auf einem Stativ montiert, so dass immer in die gleiche Richtung aufgenommen wird.

Natürlich gab es auch hin und wieder Zeiten, zu denen keine Aufnahme möglich war. Wenn die Wetterlage es zuließ, wurde dann das eine fehlende Bild interpoliert - also ein Bild von der Aufnahmezeit vorher oder nachher verwendet. Bei unklarer Wetterlage, kompletter Abwesenheit von Berlin oder bei Ausfällen wurde für die fehlenden Bilder eine Grafik mit einem waagerechten Strich in der Mitte verwendet.

Die Farben sind teilweise auch etwas vom Automatikmodus der Cam abhängig; Wolken sind für den automatischen Weißabgleich manchmal recht kompliziert - vor allem, wenn andere Objekte im Bild fehlen. So wirkt es manchmal leicht grünlich oder manchmal sind Wolken auch etwas sehr grau. Im Vergleich mit den anderen Perspektiven erkennt man aber, wie es aussehen müsste.

Statistik

An wie vielen Tagen gab es nun Streifen bzw. die Symptome, für die die Chemtrail-Gläubigen Streifen verantwortlich machen?

Auf eine solch konkrete Statistik wird hier bewusst verzichtet, weil dazu die konkreten Abgrenzungen fehlen. So gibt es Stratus („milchiger Himmel“) in Verbindung mit Streifen (z. B. vor Warmfronten). Es gibt aber auch Stratus in ganz anderen Höhen als in Kondensstreifenhöhe. Gibt es bei blauem Himmel und hoher Feuchte mangels Kondensationskernen keine Wolken, kann ein Streifen die Grundlage für Wolkenbildung sein. Andersrum kann es aber auch so trocken sein, dass sich jeder Streifen gleich auflöst. Dazu kommen dann noch die verschiedenen Interpretationen durch die Chemtrail-Gläubigen, die bekanntlich nur blauen Himmel und Cumulus (humilis/mediocris) kennen.

Anhand der sichtbaren Streifen kann man jedoch gaaaaaanz grob sagen: An maximal 39 Tagen gab es im Jahr 2015 lang anhaltende (> 2 Stunden) Streifen, an 19 Tagen mit extremer Ausprägung (zum Beispiel eben vor Warmfronten). An 253 Tagen waren gar keine nennenswerten Streifen zu sehen.

Neben den Monatsübersichten gibt es auf chemtrail-fragen.de auch andere Videos. Das hängt einerseits damit zusammen, dass ich mich selbst mit Contrails, Photometeoren (u. a. Halos) und anderen Phänomenen am Himmel beschäftige. Insofern halte ich es wie die Chemtrail-Gläubigen, dass ich also ständig auf der Suche genau danach bin. Diese Phänomene zeige ich natürlich auch - vorrangig bei Twitter (siehe unten), aber sie gehören selbstverständlich auch zum Himmel über Berlin. Und wenn daran noch etwas erklärt werden kann, ist es umso besser. Prävention gegen Verschwörungstheorien ist schließlich sehr wichtig und vielleicht findet ja auch der eine oder andere Interesse an den faszinierenden Anblicken am Himmel.

Der Himmel über Berlin 2015:

Der Himmel über Berlin 2016:

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