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30.03.2015: Spiegel TV, Thomas Heise und die Chemtrailer

Eigentlich hatte ich von Spiegel.TV immer eine gute Meinung, habe deren Beiträge ja auch oft genug in Diskussionen empfohlen. Auch oder gerade im Kampf gegen die Chemtrail-Märchen waren sie manchmal gute Unterstützung.

Am 29.03.2015 gab es einen Beitrag über #4U9525. Eigentlich hatte ich nur mal kurz reingeschaltet, sah dann aber in der Ankündigung für „nach der Werbung“ die Ansage, dass es weiterhin um Kriseninterventionsteams und einen Beinahe-Absturz eines Lufthansa-A321 gehen sollte. Also blieb ich bei dem Sender, denn in der vergangenen Berichterstattung verschiedener Medien war es ja so, dass man alles Mögliche, was nach Fliegerei roch, mit #4U9525 in Zusammenhang brachte - auch, wenn es noch so an den Haaren herbeigezogen war.

Und tatsächlich: Man bezog sich in der Ankündigung auf diesen Crash und brachte einen sehr kurzen Beitrag über ein älteres Ereignis, bei dem Vereisung der Pitots ein Auslöser war.

Offenbar war es ein Lückenfüller, aber aus dem Komplex und der Ansage heraus ergab sich die scheinbar konstruierte Zugehörigkeit zum #4U9525-Crash. Ich twitterte dazu:

Eigentlich war das nicht der Rede wert, es gab bei den Medien schon Schlimmeres und ich hätte das nach meinem Tweet auch gleich wieder vergessen. Ich blieb auch bei meiner guten Meinung zu Spiegel.TV. Doch Spiegel.TV antwortete und es gab ein paar Tweets dazu - auch nichts Besonderes. Dann jedoch kamen Tweets von einem Thomas Heise, dessen Namen ich bis dahin noch nicht bewusst gehört hatte:

In seinem Profil steht „SPIEGELTV, Vice Chief Editor, Reporter, Autor Der Rockerkrieg, Heizer, Telegrammbote, Student, Revolutionär, privater Account“. Offenbar hat er etwas mit den Beiträgen zu tun.

Er scheint davon auszugehen, dass ich an Chemtrails glaube. Und das weckt Besorgnis in zweierlei Richtung:

Es hätte mit Sicherheit keine fünf Minuten gebraucht, um herauszufinden, dass ich gegen die Chemtrail-Märchen aktiv bin. Aber er hat offenbar nur das Wort „Chemtrails“ bei mir gelesen und seine Schlüsse gezogen. Wenn das die heutige Recherche ist, erklärt das die grottenschlechte „Berichterstattung“ durch manche Journalisten, da muss man sich auch nicht mehr wundern. Und das ist schlimm, von Journalismus kann man in solchen Fällen nicht mehr reden. Nicht umsonst kämpft man u. a. in der Luftfahrtbranche gegen solche „Berichterstattung“ an. Punkt 1, der Besorgnis weckt.

Die zweite Sache ist, dass er genau die Methode der Chemtrail-Gläubigen anwendet. Es ging um die #4U9525-Geschichte und er kommt dabei mit Chemtrails. Dazu sagt er nicht mal was zum Thema selbst, sondern greift meine Person an. Genau das kennen wir von den Chemtrail-Gläubigen, die uns immer wieder in den Schmutz ziehen, uns auf Prangerlisten setzen usw. Sie können inhaltlich nichts sagen, also müssen sie auf die Person ausweichen.

Mir selbst macht das nichts aus, ich bin das von den Chemtrail-Gläubigen gewöhnt. Aber es zeigt die Methode und wenn die von unserer Seite aus angewandt wird, ist das auch unterstützend dafür, dass Personen in die Fänge der Verschwörungstheorien getrieben werden. Von unserer Seite aus werden sie runtergemacht, von den Verschwörungstheoretikern fühlen sie sich verstanden. Schon ist klar, wohin sie gehören.

Und das ist verwerflich an den Methoden des Thomas Heise: Schlechte Recherche und Ablenken vom eigentlichen Thema. Sollte er für Spiegel.TV tätig sein, muss ich meine - bisher immer noch gute - Meinung dazu überdenken.

Ergänzung, 31.03.2015:

… und er scheint ja nicht nur für Spiegel.TV tätig zu sein, er ist offenbar sogar der Vizechef:

Stefan Niggemeier: „Wie der Vizechef von Spiegel-TV einen Halterner Schüler einschüchtert“

Ein Schüler erzählt davon, wie sich Journalisten in Haltern, wo es vom Ereignis bei 4U9525 direkt Betroffene gibt, verhalten haben. Thomas Heise hat nichts Besseres zu tun, als unsensibel³ und der Situation entsprechend völlig unangemessen mit Gericht zu drohen - wohl wissend, dass man in einer Ausnahmesituation garantiert nicht daran denkt, das Verhalten von Journalisten zu dokumentieren. So kann das natürlich auch den Eindruck wecken, dass Informationen über die Medien nicht veröffentlicht werden sollen.

Wären Thomas Heise/Spiegel.TV im Recht, hätte man das per Gespräch oder im Ernstfall auch mit rechtlichen Schritten klären können - der Situation entsprechend stillschweigend.

So hinterlässt das einen sehr bitteren Beigeschmack und ich werde in Zukunft keine Beiträge von Spiegel.TV mehr unterstützen - selbst dann nicht, wenn sie eine noch so große Unterstützung beim Kampf gegen die Verschwörungsmärchen wären.

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