Fragen und Antworten zu Chemtrails (2 / 56)

Wieso funktioniert diese Verschwörungstheorie? Wie glaubt man daran?

Eigentlich ist diese Verschwörungstheorie diejenige, bei der sich jeder davon überzeugen kann, dass sie falsch ist. In den folgenden Abschnitten wird auf einige Aspekte eingegangen, deshalb an dieser Stelle nur kurz: Man kann selbst prüfen, was sich am Himmel in der Realität abspielt, wenn man mal genauer hinguckt. Warum funktioniert nun aber diese Verschwörungstheorie?

Wie ist es denn, wenn das Wetter nicht gerade in Beruf oder Hobby eine zentrale Rolle spielt?

Man sieht nach draußen und stellt fest, dass es bald regnen wird, dass bald Gewitter kommen wird, dass schönes Wetter ist, dass Flugzeuge unterwegs sind, usw. Früher musste man als Bauer noch wissen, was verschmierter Himmel bedeutet, damit man rechtzeitig das Heu einfahren konnte - aber heute muss man dank relativ genauer Wettervorhersagen nicht mal mehr das wissen. Man findet Wetter einfach schön oder schlecht.

Aber wer guckt sich denn dabei schon genau an, wo in den Wolken welche Wellen sind, wo sich aus Streifen verschmierter Himmel bildet? Und wer guckt denn schon nach Farben am Himmel - noch dazu, wenn die Farben in einer Richtung sind, wo man geblendet wird? Niemand. Es sei denn, es spielt eine zentrale Rolle in Beruf oder Hobby.

An dieser Stelle haben wir nun gleich zwei Mangelzustände:

Uns fehlen also auf einem Gebiet sowohl Kenntnisse als auch Erfahrungen. Ist man nicht gerade Psychologe oder Pädagoge, macht man sich darüber auch keine Gedanken. Aber genau diesen Zusammenhang nutzt man u. a. bei den Verschwörungstheorien aus.

Konkret bei der Chemtrail-Verschwörungstheorie fordert man nun auf, an den Himmel zu sehen und beschreibt schon, worauf geachtet werden soll: verschiedene Streifen, verschmierter Himmel, Wellen sowie Farben in Wolken usw. Im Hinterstübchen ist nun „Streifen“ - und wenn die vorhanden sind, sieht man die natürlich auch. Es ist nicht anders als bei Produktwerbung. Der Blick wird gezielt auf etwas gerichtet.

Normalerweise müsste man sich jetzt sagen: Keine Ahnung, wie das früher war; keine Ahnung, wovon das kommt. Ich habe darauf bisher nicht geachtet und bin kein Fachmann.
Oder man kann sich noch an Physik & Co. erinnern und weiß, wie sich bestimmte Zusammenhänge verhalten.

Der potenzielle Verschwörungstheoretiker sagt sich jedoch: Ja, das ist ja wirklich so, früher war das anders.
Und damit ist schon der erste Schritt der Manipulation erreicht.

Dies ist auch ein absolut normales menschliches Phänomen, selektive Wahrnehmung genannt. Man sieht das, was man sehen möchte, sehen soll. Machen Sie einfach den Test mit diesen beiden Videos:

Aufforderung, nach „Chemtrails“ zu suchen
Aufforderung, nach „Chemtrails“ zu suchen

Hat man als potenziell gefährdete Person diesen Stand erreicht, sucht man, wie von den Chemtrail-Gläubigen gefordert, nach Informationen im Internet. Und da die Chemtrail-Gläubigen spamartig (teilweise sogar im Auftrag ihrer Wortführer) ihre Texte, Bilder und Videos schon verbreitet haben, wird man garantiert fündig - man findet alles Mögliche zu Chemtrails. Das ist der zweite Punkt, der das Ganze fördert: Es gibt Informationen dazu, also muss doch etwas dran sein. Ja, aber: Wenn man nach Chemtrails sucht, werden auch die entsprechenden Ergebnisse angezeigt, die eben durch die Anhänger dieser Ideologie ins Netz gesetzt worden sind. Man braucht sich also auch nicht zu wundern, dass einem Chemtrail-Sites angezeigt werden, wenn man nach Chemtrails sucht. Die Aufforderung, im Internet nach „Chemtrails“ zu suchen, ist also eine ganz billige Methode, fixiert auf einen Punkt und alles andere als ergebnisoffen.

Nun findet man viele Informationen zu Chemtrails. Die sind auch so aufbereitet, dass sie sehr einfach zu verstehen sind - man kann das also nachvollziehen. Wer kommt da schon auf die Idee, das Ganze mal zu verifizieren? Ist doch alles klar! Aber eben nicht - wenn man das prüfen möchte, muss man selbst aktiv werden und tatsächliche Zusammenhänge erkennen. Das ist zugegebenermaßen schwerer, als einfach die Märchen zu glauben.

Und hier finden Sie die Wolken, die für die Chemtrail-Gläubigen die Indizien für Sprühereien sind - allerdings in einem Buch von 1905, als es noch gar keine geeignete Technik zum Sprühen und auch noch kein HAARP gab: Cloud Studies 1905 and 1925. Allein das sollte eigentlich schon stutzig machen.

Dieses Vorgehen bzw. dieser Ablauf ist auch nicht nur bei der Chemtrail-Verschwörungstheorie so, sondern das kann man bei allen beobachten. Es gibt immer die Mangelzustände:

Verschwörungstheoretiker, Esoteriker, „Reichsbürger“, Homöopathie-Anhänger usw. werden gern als Spinner bezeichnet. Dies kann man aber zunehmend nicht mehr pauschal so feststellen. Betroffen sind oft Menschen, auch sonst normal denkende, die der schleichenden und aggressiven Manipulation durch u. a. Verschwörungstheorien auf den Leim gegangen sind. Sehr oft würde es reichen, wenn einer der genannten Mangelzustände beseitigt würde. Ist der Betroffene aber weit genug in der Spirale der Verschwörungstheorien, ist er dermaßen von der Außenwelt abgeschottet, dass ihm leider nicht mehr zu helfen ist.

Hinweis: Bei diesen Ausführungen geht es um die, die tatsächlich an Verschwörungstheorien glauben. Bei vorsätzlich handelnden Personen, die in irgendeiner Form von den Verschwörungstheorien profitieren, trifft das nicht zu. Im Gegenteil: Sie nutzen das Geschriebene aus.

Überarbeitet: 08.02.2015

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