Sauberer Himmel: Ein großes S vom WWF

Das entscheidende große S des WWF

Es ist schon schlimm - manchen Anwälten muss man alles bis ins Detail erklären, damit sie Texte verstehen. Diesmal geht es um ein Plakat des WWF.

Viele von Ihnen werden dieses Plakat des WWF kennen. Dort heißt es:

„Die Erde mit künstlichen Wolken zu kühlen, ist eine Lösung für morgen. Vielleicht. Was, wenn Sie die Lösung von heute wären?“

Abgeschrieben ist es ja schon mal richtig. Einschließlich des großen "S".

Auf dem Plakat ist ferner ein Flugzeug zu sehen, das künstliche Wolken versprüht.

Und da war er wieder - der Schrecken der Chemtrail-Gläubigen: Wolken und Flugzeuge. Aus diesem Schreck resultiert, dass der Chemtrail-Gläubige sich vollkommen auf diesen Anblick konzentriert und nicht mehr in der Lage ist, Zusammenhänge in der Grafik wahrzunehmen. Bei der Grafik des BMBF ist es ja auch so. Aber keine Angst, man muss sich nicht unter dem Bett verkriechen. Die Lösung folgt.

Plakat des WWF mit Flugzeug

Nachdem sich Greenpeace Deutschland ausdrücklich von Maßnahmen des Climate Engineering distanziert hat, wollen wir wissen, wie der WWF zu diesem Thema steht.

Hallo?! Das steht doch auf dem Plakat! Ist das richtig gelesen worden? Muss das "S" für bestimmte Anwälte noch in riesiger fetter roter Schrift dargestellt werden?

OK, ein kleiner Erklärbär:

Der Teil „Die Erde mit künstlichen Wolken zu kühlen, ist eine Lösung für morgen. Vielleicht.“ bedeutet, dass man natürlich an den Folgen von etwas arbeiten kann; dass man versuchen kann, diese zu mindern. Gemeint ist hier natürlich auch das, was der Anwalt darunter versteht, nämlich das Geo Engineering. Aber eben: Es ist nur eine Möglichkeit. Besser ist das, was im nächsten Satz folgt:

„Was, wenn Sie die Lösung von heute wären?“

Extra für Chemtrail-Rechtsanwälte wurde der entscheidende Buchstabe hervorgehoben. Gemeint ist damit nämlich, dass wir alle - Sie, Du, er, sie, ich - bereits jetzt vorbeugen müssen, damit man nicht die Folgen beseitigen muss. Und extra für die Chemtrail-Rechtsanwälte steht noch unter diesem Text „Allein mit Technik lassen sich die Probleme unserer Zeit nicht lösen.“
Eigentlich ist das gar nicht so schwer zu verstehen, aber der WWF möchte, dass jeder von uns seinen Beitrag bereits heute leistet, damit Eingriffe in die Natur (zum Beispiel das Ausbringen von Aerosolen) morgen überflüssig werden. Also nochmal für bestimmte Rechtsanwälte, was das Plakat und damit der WWF ausdrückt:

Nein zu Eingriffen in die Natur in der Zukunft, indem heute durch uns vorgebeugt wird.

Insofern beantwortet das Plakat schon die Frage des Herrn Storr und eine weitere Belästigung des WWF ist eigentlich unnötig.

Aber man sieht wieder, wie der Anblick eines Flugzeugs bei weichen Gemütern zu Angstzuständen führen kann …


Brief des Rechtsanwalts Dominik Storr an den WWF

Noch kurz zu einem Absatz aus dem offenen Brief:

Die Teilnehmer der Bürgerinitiative wären Ihnen sehr verbunden, wenn Sie die oben aufgeworfenen Fragen schriftlich beantworten könnten. Die Bürgerinitiative möchte nämlich nicht mit falschen Informationen über den WWF an die Öffentlichkeit gehen. Die Beantwortung der Fragen dürfte daher auch in Ihrem Interesse liegen.

Irgendwie entsteht hier doch der Eindruck, dass man erpressen möchte - oder? Es wird offensichtlich ausgedrückt, dass man an die Öffentlichkeit gehen wird, und zwar über den WWF. Was über den WWF berichtet wird, hängt aber von der Antwort des WWF ab - insofern behält man sich vor, dass man auch falsche, also für den WWF schädliche, Informationen an die Öffentlichkeit bringt. Da die Erzähler der Chemtrailmärchen nicht gerade der Nabel der Welt sind, wird das den WWF sicher nicht beeindrucken. Aber die Vorgehensweise des Rechtsanwalts passt hervorragend in das Schema der Chemtrail-Gläubigen: Drohen.


Die Lösung muss nicht fliegen, um abzuheben

Noch eine kleine Zusatzinformation: Diese Werbeaktion stammt von der Agentur Spinas Gemperle. Hier sind noch ein paar mehr Plakate daraus enthalten: http://www.werbewoche.ch/spinas-gemperle-neue-kampagne-fuer-den-wwf
Wie man an dem Kommentar des Gasts sehen kann, scheinen manche Leute tatsächlich ein paar Probleme zu haben, das Geschriebene zu verstehen. Ob der auch von einem Rechtsanwalt stammt, ist natürlich unbekannt. Hintergründe für diese Aktion sind hier noch aufgezeigt: http://www.persoenlich.com/news/show_news.cfm?newsid=83977.

Übrigens ist ein Chemtrailmärchen-Anhänger leicht zu identifizieren. Wenn Sie jemanden in dem Zusammenhang testen möchten, brauchen Sie ihm nur ein Flugzeugbild zu zeigen. Zeigt derjenige Gleichgültigkeit, sind ihm Flugzeuge einfach egal. Kriegt er leuchtende Augen, ist er ein Technik-Fan oder ein Planespotter. Verfällt er aber in eine Starre, zittert vor Angst und kriegt von der Umwelt nichts mehr mit, ist es ein Anhänger der Chemtrailmärchen. Oder er leidet unter Flugangst.

23.10.2011 [⇧]