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Rayk Anders/Marc Quambusch: Pseudodebunking mit Tischplattengefahr

Kategorien: Antworten ▸ Kommentare

Noch schlimmer als die Chemtrail-Märchen ist der Schwachsinn,
der über sie und ihre Inhalte verbreitet wird.
Denn der behindert massiv die Aufklärung.
Leider gehen auch Medien selektiv vor und zeigen Anzeichen von Dunning-Kruger.
Wie die Verschwörungstheoretiker.

Die Gesellschaft lebt. Es finden Entwicklungsprozesse statt in Wissenschaft und Forschung, in der Gesellschaft selbst, aber auch in den Verschwörungsideologien. Häufig sind das Abhängigkeiten und Anpassungen an veränderte Umstände. Auch Erkenntnisprozesse können dabei Rollen spielen.

Ausgerechnet Erkenntnisprozesse sind es jedoch, die vielen fehlen, die über die Chemtrail-Märchen und andere Verschwörungsideologien berichten.

So werden Informationen kommuniziert, deren Fehleranfälligkeit im Berichten über einen uralten Stand des jeweiligen Inhaltes besteht bis dahin, dass Inhalte nicht mal im Ansatz verstanden worden sind. Hauptsache man erzählt etwas darüber - ob es stimmt, ist ja egal. Und Aufwand in eine sorgfältige Recherche stecken? Recherche? Was ist das?

Desinfo durch Rayk Anders

Pseudo-Debunking

Autoren beziehen sich auf Momentaufnahmen, die sie durch ein paar Zitate bei den Chemtrail-Gläubigen gefunden haben. Sie nehmen sich Aussagen, die aus der ersten Phase der Chemtrail-Ideologie im deutschsprachigen Raum mangels Material zum Geoengineering entstanden sind; sie verwenden möglichst lustige Aussagen aus Fremdeinflüssen in die Verschwörungstheorie (aus esoterischen, „Reichsbürger“- und anderen Bereichen), die jedoch gar nicht der Kern der Verschwörungstheorie sind. Sie nehmen alte Methoden, ohne die Entwicklungen zu berücksichtigen. Sie kennen den Unterschied zwischen Wetter und Klima nicht und nennen Beispiele aus der Wettermanipulation für Geoengineering. Usw. usf. - das wird dann verallgmeinert und als Chemtrail-Verschwörungstheorie dargestellt.

Aber auch sonst heißt es in den Medien gern mal: Geoengineering in dem Sinne gibt es zwar nicht, aber im kleinen Rahmen wird es schon durchgeführt, zum Beispiel bei den Hagelfliegern.
Quatsch. Das sind nicht umsonst zwei verschiedene Begriffe (Klima/Geoengineering vs. Wetter/Wettermanipulation). Mit Wettermanipulation soll das Wetter beeinflusst werden, nicht das Klima. Mit Climate Engineering soll das Klima beeinflusst werden, nicht das Wetter - wobei es natürlich einen Zusammenhang geben würde, ein verändertes Klima wirkt sich auch auf das Wetter aus. Letzteres ist aber nicht das Objekt, das beeinflusst werden soll.

Oder: Kondensstreifen sind auch Geoengineering, weil die ja das Klima beeinflussen.
Quatsch. Kondensstreifen entstehen nicht direkt vorsätzlich (im Gegensatz zu Geoengineering), sondern als unerwünschte Nebenwirkung des Flugverkehrs. Deshalb forscht man auch intensiv daran, die zu reduzieren. Bei uns ist das DLR dabei führend, natürlich in Zusammenarbeit mit der NASA.




Bei solchen dummen Antworten landen die Leute bei den Erklärungen durch die Chemtrail-Gläubigen.

Durch die daraus resultierenden fehlerhaften oder komplett falschen Debunking-Versuche werden die Aufklärung und damit das Ziel, potenziell Betroffene vor dem Verfall an die Chemtrail-Märchen (das betrifft natürlich auch andere Verschwörungsmythen) zu bewahren, enorm erschwert.

Erstens ist nichts schlimmer als wenn Chemtrail-Gläubige aufzeigen, welche Fehler beim Berichten über sie produziert wurden und so eine Barriere aufgebaut wird:

„Die Lügenpresse erzählt auch Lügen über uns!“

So hilft man ihnen dann auch gleich noch, dass sie ihre Opferrolle darstellen können.

Zweitens tragen nachweisliche Fehler in Aussagen zu den Kernthemen dazu bei, dass die Zielgruppen sehen: Die haben doch selbst keine Ahnung! Und damit glauben sie eher den für sie nachvollziehbaren Erklärungen der Verschwörungsgläubigen.

Drittens sind fehlerhafte Erklärungen nicht gerade dienlich, wenn es um die Bildung geht.

Die Verschwörungsideologen sind den Möchtegern-Aufklärern und -Berichtern sehr dankbar für diese Unterstützung.


Verschwörungstheorien - Leben im Wahn

In der Pseudo-Dokumentation Verschwörungstheorien - Leben im Wahn, die bei ZDFinfo lief, ist gleich eine ganze Sammlung dieses Quatsches enthalten, deshalb nehme ich einfach die dortigen Aussagen - die stehen stellvertretend auch für andere Veröffentlichungen. Wohlgemerkt: Hier geht es um die Chemtrail-Verschwörungstheorie. Eine andere wird hier nicht berücksichtigt.

Eigentlich hätte man ja aufgrund des Titels hoffen können, etwas zu Zusammenhängen zu erfahren. Warum leben die Leute wie im Wahn, wie kommt es dazu, welche Folgen hat das usw. Voraussetzung wäre natürlich gewesen, dass man sich etwas mit den Inhalten der betroffenen Verschwörungsmythen beschäftigt hätte; dass auch vermittelt worden wäre, worum es eigentlich ging. Eine weitere Voraussetzung wäre gewesen, dass man sich die Strukturen dieser Ideologie und - ganz wichtig - deren Methoden angesehen hätte. Die, die die Betroffenen zu den Verschwörungsideologien treiben. Eigentlich. Das Gegenteil war der Fall: Oberflächlichkeit und Fehler waren das Markante in dieser „Doku“.


Bei 00:37 heißt es: „Keine These ist zu abstrus, als dass sich nicht doch jemand findet, der sie vertritt.“span>

Das mag im Allgemeinen schon stimmen, kennzeichnet aber eben gerade nicht mehr allein die Chemtrail-Verschwörungstheorie. Natürlich gibt es noch die herkömmlichen „Spinner“. Aber vor allem durch die Manipulation mit Daten aus der aktuellen Forschung und der Existenz von Wettermanipulation werden in Kombination mit den sichtbaren Phänomenen am Himmel auch ganz normal denkende Menschen erreicht. Nicht umsonst glauben selbst Akademiker, wie auch die im Film vorgestellte Ria den Breejen, an Chemtrails.

Der Satz von Rayk Anders resultiert daraus, dass er das, worum es hier geht, rein gar nicht kennt; dass er sich damit überhaupt nicht beschäftigt hat. Dies wird später deutlich.


Bei 01:02 wird ein angebliches Ziel der Chemtrails angegeben: „Die Regierung lässt mit Flugzeugen Chemikalien auf uns sprühen, um uns zu vergiften.

Das ist uralt und schon ewig nicht mehr in dieser Form aktuell; es war mal dominierend bis ca. 2011, als es im deutschsprachigen Raum kaum Material zum Geoengineering gab. Ansonsten ist es nur eine Teilströmung. Der Kern der Chemtrail-Verschwörungstheorie besagt, dass Chemtrails ausgebracht werden, um das Klima (und in Verwechslung damit das Wetter) zu manipulieren. Alles andere ist aus deren Sicht Kollateralschaden. Nicht umsonst demonstriert man primär gegen Geoengineering und nicht gegen Chemtrails.

Es wäre auch nicht schwer gewesen, die Inhalte der Chemtrail-Märchen herauszufinden. Die Macher des Films hätten sich nur die „Bibel“ der Verschwörungsideologie durchlesen müssen: Gabriel Stetter: Die Zerstörung des Himmels. Mit diesem Dokument wurde diese Ideologie so, wie sie bisher im englischsprachigen Raum existierte, verstärkt in den deutschsprachigen Raum gebracht. Der Kern dieser Verschwörungstheorie ist also in genau diesem Dokument enthalten. Es ist die Verschwörungstheorie, wie man umgangssprachlich dazu sagt.


01:50: „In meiner YouTube-Show „Armes Deutschland“ befasse ich mich seit Langem mit Verschwörungstheorien und Vollidioten aller Art“

Es macht sich natürlich gut, Zuschauer gleich mal als „Vollidioten“ zu bezeichnen, wenn man diesen erzählen möchte, was am Himmel wirklich los ist. Denn das spielte im Film ja auch mal kurz eine Rolle.

Wenn jemand in der Anfangsphase dieses Verschwörungsglaubens ist, wird der-/diejenige gleich mal verschreckt und fühlt sich bei den Verschwörungstheoretikern besser aufgehoben, weil die einen besser verstehen. Wenn das die Qualität aktueller Dokus ist, sage ich auch: armes Deutschland.

Es klingt dann auch mächtig naiv, wenn er am 08.02.2020 bei Twitter schreibt:

„Unmöglich, noch ernsthafte Debatten zu führen.“

Wer diskutiert denn schon gern ernsthaft mit einem arroganten Typen, der andere als „Vollidioten“ bezeichnet?

Diese Richtung musste ich sehr oft erfahren. Es gab in den vielen Jahren der Auseinandersetzung mit der Chemtrail-Verschwörungsideologie auch immer wieder Direktkontakte mit Betroffenen, auch oft in der Einstiegsphase. Die beschwerten sich sehr oft, dass mit ihnen arrogant und verletzend gesprochen wurde und waren so der Ansicht, dass an dem, was die anderen Mitgläubigen erzählen, doch was dran sein muss. Später tauchten sie dann in den Gruppen der Chemtrail-Gläubigen auf - wir haben sie dorthin getrieben. Schuld war die Arroganz, wie sie auch in der ZDFinfo-Doku zum Ausdruck kommt.

Ich sollte mich wohl mehr mit Pseudodebunkern und Vollidioten aller Art beschäftigen.


08:29: „Deshalb sind die total öden Kondensstreifen in ihrer Welt supergefährliche Chemiespuren - sogenannte Chemtrails - die im Geheimauftrag der Regierung versprüht werden. Das Ziel dahinter ist noch nicht ganz raus. Manche behaupten, damit wird Wettermanipulation betrieben, dass durch die Chemikalien Wolken erzeugt werden sollen, die das Sonnenlicht reflektieren und den Klimawandel aufzuhalten.“

Man muss eigentlich nicht lange bei den Chemtrail-Gläubigen suchen, um festzustellen, dass die das Ziel schon klar definiert haben (siehe auch das Dokument von Stetter). Chemtrails sind für sie Geoengineering (bzw. andersrum), was manche Gläubige mit Wettermanipulation in einen Topf schmeißen. Die alten Ziele wie Reduzierung der Menschheit o. ä. werden nur noch relativ selten genannt und das auch eher von denen, die schon lange an Chemtrails glauben bzw. ganz tief in der Spirale der Verschwörungstheorien stecken. Weil: ja, es waren tatsächlich mal zentrale Aussagen der Chemtrail-Märchen im deutschsprachigen Raum. Wenn man die Entwicklung der Chemtrail-Märchen verschläft, kriegt man natürlich auch nicht mit, dass es hierbei Anpassungen bzw. Änderungen gibt.

„Was - nebenbei bemerkt - der enttäuschendste böse Masterplan ist, den ich mir vorstellen kann.“

Diese Aussage von Herrn Anders zeigt besonders deutlich den Dunning-Kruger-Effekt.

Wissenschaftler und namhafte Institute sowie Regierungen beschäftigen sich mit Geoengineering (sprich: auch mit dem Teilbereich SRM); es ist sogar schon Bestandteil des Unterrichtes an Schulen.
Das Thema ist auch nicht gerade neu (siehe Video mit Heinz Haber). Methoden, Risiken, mögliche Techniken - alles ist bekannt und wird sogar in Medien ab und zu kommuniziert. Nur einer kennt das nicht: Rayk Anders. Aber gerade er äußert sich dazu, weil er das mal bei den Chemtrail-Gläubigen gelesen hat.

Was sich ein Herr Anders da vorstellen kann, dürfte den Wissenschaftlern auch eher egal sein. Aber es ist eben leichter und wirkungsvoller, wenn man das Ganze ins Lächerliche zieht, statt sich tatsächlich inhaltlich damit auseinanderzusetzen. Bildung und Aufklärung gehen anders.


Heinz Haber (1968) und Joachim Bublath (2007): Die wohl bekanntesten älteren Erwähnungen des späteren SRM im deutschsprachigen Fernsehen.

09:19: „Sie organisiert den Berliner Ableger des Global March Against Chemtrails“

Und das ist eben falsch. Nicht umsonst hatte man zunächst aus Manipulationsgründen „And Geoengineering“ im Namen dieser Veranstaltung und lässt „Chemtrails“ nun sogar ganz weg. Einen „Global March Against Chemtrails“ gibt es nicht. Sowas kriegt man aber mit, wenn man sich mit der Chemtrail-Ideologie beschäftigt.

Im Übrigen nennt (Ma)Ria im Gespräch auch nicht den Begriff „Chemtrails“, die Gründe sind im verlinkten Beitrag genannt.

Bei dem Beitrag mit (Ma)Ria den Breejen wurde - nebenbei erwähnt - auch die Cherry-Picking-Methode der Verschwörungstheoretiker verwendet, indem man also das zeigte, was den Filmmachern am besten passt - wahrscheinlich das, was am lächerlichsten klang. Was Frau den Breejen im Film sagte, ist jedoch überhaupt nicht kennzeichend für das, was sie im Internet als eine Schlüsselfigur der Chemtrail-Verschwörungstheorie von sich gibt. Im Gegenteil: Sie ist Akademikerin, nicht dumm, beherrscht mehrere Sprachen und kann sich sehr gut ausdrücken, auch schriftlich. Sie ist also nicht die Durchschnittsverschwörungstheoretikerin, sondern sie gehört zu denen, die gezielt manipulieren - u. a. auch mit dem Trick mit dem Geoengineering. Bei einer richtigen Doku hätte man das gut verwenden können, um die Methoden der Chemtrail-Gläubigen aufzuzeigen. In dieser Doku hätte man hingegen jeden nehmen können, auch Mario Romanowski. Es wäre auf dasselbe herausgekommen.

Hier merkt man m. E. am besten, wie die Doku von Leuten gemacht wurde, die rein gar keine Vorstellungen von dieser Materie haben. Und das ist leider bei vielen Veröffentlichungen so. Allerdings scheint dieses selektive Vorgehen bei Rayk Anders kein Einzelfall gewesen zu sein, worauf das Video von Niederrheiner hindeutet.

Ist das selektive Vorgehen Standard bei Rayk Anders?

Bei 12:59 dann das alte Klischee: „Willkommen in der Welt der Sechsjährigen, wo alle Schuld haben, nur ich nicht.“

Jaja, alle Verschwörungstheoretiker sind Versager, die die Schuld woanders als bei sich selbst suchen. Dass das ständig wiederholt wird, macht es nicht wahrer. Unter den Verschwörungstheoretikern sind viele Leute, die gar keine Schuld suchen müssen - übrigens auch Ma(Ria) den Breejen nicht. Im Gegenteil, viele Neueinsteiger in dieser Szene glauben noch nicht mal an die große Verschwörung. Sie gehen einfach davon aus, dass das am Himmel das ist, was in den vielen Dokumenten zum Geoengineering beschrieben ist. Was, bitteschön, Rayk Anders, hat das mit der Suche nach irgendeiner Schuld zu tun?

Nebenbei erwähnt - das gehört nicht zu Geoengineering & Co:
In der Doku wird an dieser Stelle eine der ersten deutschen Websites zu Chemtrails gezeigt, auf der auch Bestandteile von Chemtrails und vermeintliche Folgen für den menschlichen Körper genannt wurden. Gleichzeitig nannte der Betreiber Mittelchen, die man dagegen einsetzen konnte. Suchte man nach diesen Mittelchen, landete man auf einer Website (Vitaswing), wo diese für Geld angeboten wurden. Und wem gehörte diese Website? Klar, dem Betreiber der erstgenannten Website. Es war eine clevere Methode, mit diesen vermeintlichen Chemtrail-Wehwehchen Geld zu verdienen. Ist es da nicht verständlich, dass der Betreiber die Wehwehchen auch benennt?

Und: Wurde diese Methode in der ZDFinfo-Doku genannt? Schließlich geht es genau hier um die vermeintlich persönliche Betroffenheit der Chemtrail-Gläubigen, um den „Wahn“.

Natürlich nicht. Für die Zuschauer kommt es doch viel besser, wenn man sich einfach über die angeblichen Bestandteile lustig macht. Es wäre doch zu sachlich-nüchtern, wenn Rayk Anders dieses sehr gut geeignete Beispiel genutzt hätte, um aufzuzeigen, wie man von den Chemtrail-Märchen profitiert. Man kann dem Betreiber der Website Skrupellosigkeit oder sonstwas vorwerfen. Aber mit Sicherheit nicht Dummheit.


Und bei 15:50 zeigt der Fragesteller, dass er auch nicht mehr Ahnung als die Verschwörungstheoretiker hat und was weiter oben bereits erwähnt wurde: „Was bräuchte man, um Wettermanipulation und Geoengineering auf so ’ner Skala durchzuführen?“

Zwei komplett verschiedene Themen in einer Frage - das muss man auch erst mal schaffen. Und dann noch eine Frage, zu der Wissenschaftler mehrere Tage am Stück diskutieren, für eine Doku mit ein paar Minuten Sendezeit.

Aber allein schon die Frage zur Wettermanipulation ist an dieser Stelle Quatsch. Die wäre bei den Hagelfliegern gut aufgehoben - aber ob und wie das funktioniert, interessiert bei der Chemtrail-Verschwörungstheorie rein gar nicht. Dort ist wichtig, dass es gemacht wird, denn das ist der angebliche Beweis für Sprühereien.

Und was bräuchte man, um Geoengineering durchzuführen? Naja, wenn man sich die einzelnen Methoden mal ansieht, dürfte das nicht in ein paar Minuten beantwortet sein.

Hauptsache, man hat eine Frage gestellt. Wie schön wäre es, wenn sich Herr Anders wenigstens mit den Basics, dem Unterschied zwischen Klima und Wetter, beschäftigen würde.

Schaubild zur Kieler Studie 2011

Das soll dazu reichen, es gäbe noch mehr Beispiele für Schwachfug. Es wäre auch kein Problem, wenn die Chemtrail-Gläubigen das nicht auch mitbekommen würden. Aber sie merken natürlich, wenn Quatsch über sie erzählt wird und auch das bestärkt sie darin, dass sie Recht haben - man erzählt Lügen über sie, wie auch über die Streifen. Derartige Pseudo-Aufklärungsversuche sind also eher begünstigend für Verschwörungstheorien, wie eben auch diese ZDFinfo-Doku. Und bei allem Quatsch, den eine Ma(Ria) den Breejen erzählen mag - wenn sie die Doku kritisiert, hat sie recht.

Zitate (Marc Quambusch, Riesenbuhei Entertainment GmbH)

Ergänzung am 29.06.2018:

Zu ein paar Zitaten des Machers der Doku, Marc Quambusch (Riesenbuhei Entertainment GmbH):


„Es ging darum zu zeigen, dass diese Menschen "im Wahn leben". Hieß ja nicht umsonst so.“ (Quelle)

Er sagt es: Es sollte etwas gezeigt werden, nämlich die Vorstellungen der Filmmacher von dieser Verschwörungstheorie. Und das wurde es auch - Verallgemeinerungen auf der Grundlage einer Recherche, die man nicht als solche bezeichnen kann. Wenn man sich Eindrücke durch Momentaufnahmen in extremen facebook-Gruppen verschafft, ist das alles andere als realistisch.

Die Zusammensetzung des Personenkreises, der an den Chemtrailmythos glaubt, ist wesentlich vielfältiger als im Film dargestellt. Gerade in der Anfangsphase glauben sogar manche werdende Chemmies einfach nur, dass Streifen Geoengineering seien. Mehr zunächst nicht. Die haben dabei keine Angst, glauben noch nicht mal an eine Verschwörung. Ist halt so, da will man was gegen die Erwärmung beim Klimawandel machen und das sind eben Chemtrails. Von Wahn kann da keine Rede sein, nur von falscher Information und ggf. bereits von Manipulation.
Gerade diese Chemmies sind es aber, die noch Teile der Realität wahrnehmen, die man eventuell mit Fakten noch erreichen und somit vor dem Verfall an den Verschwörungsglauben schützen kann. Klar, das gehörte aber nicht zu dem, was die Filmmacher zeigen wollten. Ist ja nicht so lustig, ne?


„Debunking bringt meiner Meinung nach überhaupt nichts. Total sinnlos“ (Quelle)

Da der Herr keinen nennenswerten Beitrag zum Kampf gegen diese Verschwörungstheorie leistet, kann er natürlich nicht wissen, dass gerade durch das Debunking

  • immer wieder Chemtrail-Gläubige zur Realität zurückkehren, sogar extreme Gläubige. Manche gehören jetzt zu den aktivsten Aufklärern. Ein Beispiel mit einer besonders netten Rückmeldung: Erfahrungsbericht.
  • viele Fragen von potenziell Betroffenen oder Betroffenen in der Anfangsphase beantwortet werden. Dadurch können sie sich gleich mit den Fakten beschäftigen und verfallen dadurch oft gar nicht erst den Aussagen der Verschwörungstheorie.
  • Nichtbetroffenen Informationen gegeben werden, so dass diese in Diskussionen verwendet werden können. Es ist also ein unterstützendes Element im Kampf gegen die Verschwörungsideologie in der Breite.
  • Wissensvermittlung zu einzelnen Inhalten unabhängig von der Verschwörungstheorie erfolgt. Bei den Contrails zum Beispiel interessiert es Beobachter immer wieder, warum bestimmte Details so aussehen, wie sie aussehen. Dieses Wissen stellt auch eine wichtige Argumentationsbasis dar, falls jemand mal mit den Chemtrail-Märchen in Berührung kommen sollte.
  • über das Wesen und Wirken der Verschwörungstheorie aufgeklärt wird, was also die methodische Seite betrifft. Das ist das, wobei Marc Quambusch und Rayk Anders mit Desinfo glänzen und mehr Schaden als Nutzen anrichten.

Geht es nach Herrn Quambusch, kann ja auch gleich der ganze Kampf gegen rechte Tendenzen und Verschwörungsideologien eingestellt werden. Bringt ja nichts. Nur: Weshalb wurde dann diese Doku erstellt, wenn Aufklärung nichts bringt?


„Jede Doku hat Fehler. Die von @A3803 genannten finde ich albern.“ (Quelle)

Ganz in der Art der Rechten und der Verschwörungstheoretiker: Es wird nicht auf Inhalte eingegangen, sondern es wird gleich allgemein abgeschmettert. Kritikfähigkeit und Argumentation sind für Herrn Quambusch Fremdwörter. Aber natürlich, er ist gar nicht in der Lage, die oben genannten Punkte zu entkräften. Dazu müsste man sich nämlich etwas genauer mit der Materie beschäftigen.


„Du solltest Dich mal einem Realitätscheck unterziehen. Du bist viel zu tief in der Chemmie-Welt.“ (Quelle)

Der vorher genannte Punkt zeigt sich dann auch in dieser Aussage.
Wenn man sich über viele Jahre hinweg methodisch und fachlich gründlich mit dieser Verschwörungstheorie beschäftigt; wenn man Prozesse, Entwicklungen von Individuen, Strukturen usw. verfolgt, um eben in dieser Materie nicht durch Halbwissen angreifbar zu sein, ist man laut Herrn Quambusch zu tief in dieser Welt. Vielleicht stecke ich ja auch zu tief in der Pädagogik-Welt? Schließlich habe ich da am Ende des Studiums mein Diplom verteidigt, viele Jahre unzählige Weiterbildungen über mich ergehen lassen und in dem Bereich gearbeitet. Oder vielleicht auch in der Programmierungs-Welt? Schließlich mache ich das auch schon seit irgendwann in den Neunzigern.

Also, nicht zu gründlich in einen Bereich einsteigen, sonst ist man - frei nach Marc Quambusch - in dessen Welt. Lieber oberflächlich arbeiten, damit man nicht in eine Welt gerät …

Natürlich: Wenn man Zuschauer nur belustigen möchte, schadet eine tiefgründige Betrachtung nur. Da muss man schließlich das herausziehen, was am besten passt. Wenn unsereins den Leuten hilft, aus der Verschwörungstheorie zu kommen bzw. ihr gar nicht erst zu verfallen, ist das nicht so lustig.


„Auf deutsch: Du kriegst zwar nichts so richtig auf die Kette, aber die Doku war Scheiße“ (Quelle)

Hintergrund: Vor langer Zeit, irgendwann um 2012, hatten ein paar Debunker angedacht, selbst eine Doku-Reihe zu Verschwörungstheorien auf YouTube zu erstellen. Bei dem Gedanken blieb es, denn eine gründliche Doku (also nicht sowas wie „Leben im Wahn“) braucht viel Zeit. Und wir alle haben Vollzeitjobs (als Selbstständiger hat man da leicht mehr als acht Stunden am Tag), Familien, Kinder, Enkel und ich gerade auch etwas Aufwand, um einer älteren Dame nach einem Schlaganfall zu helfen. Usw. usf.
Ganz nebenbei pflege ich seit vielen Jahren chemtrail-fragen.de und diskutiere mit Chemmies, wodurch auch einige schon zur Realität zurückgekommen sind. Natürlich gehört auch dazu Recherche, denn es gibt ab und zu doch noch etwas Neues. Auch das alles braucht Zeit.

Dass aus solch einer angedachten Doku noch nichts wurde, verleitet Herrn Quambusch zur Schlussfolgerung, dass man nichts richtig auf die Kette kriegt. Woher will er wissen, was ich in meinem Job als Softwareentwickler auf die Kette kriege? Er meint, er könne das - Dunning-Kruger in Person von Quambusch. Er setzt offenbar auch das Schneiden seiner realitätsfremden Filmchen als Maßstab für alles andere.

Und wenn man also selbst noch keine Doku gebastelt hat, hat man nach Herrn Quambusch offenbar auch nicht das Recht zu Kritik. Da spielt auch keine Rolle, dass man sich (im Gegensatz zu Quambusch) seit vielen Jahren mit dieser Materie beschäftigt und eine ziemlich große Website dazu betreibt. Wie kann man es wagen, an dem allwissenden Herrn Quambusch Kritik zu üben!

Wobei ich weiß, dass meine Webseiten (und mein Buch) vielen Chemmies geholfen haben, zur Realität zurückzukehren - es gab immer wieder entsprechende Dankesschreiben. Ich bezweifle jedoch, dass diese Pseudodoku auch nur einen einzigen Chemtrail-Gläubigen zum Nachdenken bringt. Eher ist das Gegenteil der Fall.


„Sich mit Ria wernsthaft auseinanderzusetzen ist albern.“ [sic] (Quelle)

Wir halten fest: Da wird mit einer Dame ein Interview geführt und man hat gar nicht die Absicht, sich ernsthaft damit auseinanderzusetzen. Das Fehlen der Sachlichkeit war also reiner Vorsatz.

Weiter oben wurde schon etwas zu dieser Dame geschrieben. Sie weiß auch von Geoengineering (insbesondere SRM) mehr als Rayk Anders und Marc Quambusch zusammen. Aber so, wie Marc Quambusch und Rayk Anders nicht wissen, dass sie von der Verschwörungsideologie nur Bruchteile kennen, weiß Ria den Breejen nicht, dass sie von Aviatik und Physik kaum etwas weiß. Dadurch kommt es zu Fehlinterpretationen und unzutreffenden Schlüssen. Bei Ria den Breejen ist dies die Basis, dass sie an die Chemtrail-Märchen glaubt.

Statt aber sachlich genau diese Zusammenhänge zu benennen, sucht man sich selektiv die am lustigsten klingenden Aussagen dieser Dame heraus.

Aus vielfacher eigener Erfahrung weiß ich, dass es wichtig ist, sich mit Chemmies ernsthaft auseinanderzusetzen. Auch wenn man es oft nicht gleich bemerkt, denken manche Chemmies doch nach und gelangen so manchmal zur Realität zurück. Mit arroganten, vorverurteilenden und ahnungslosen Verhaltensweisen wie bei Herrn Quambusch erreicht man oft genau das Gegenteil - dann treibt man die Leute dorthin, wo sie sich verstanden fühlen, zu den anderen Verschwörungsgläubigen.


„Ria hat ganz neutral ebenso einen an der Murmel wie die Reichsbürger“ (Quelle)

Arroganz, Vorverurteilung, Unsachlichkeit. Wie unter Dunning-Kruger leidende Filmchenschneider halt über andere Menschen denken. Das erschwert den Kampf gegen Verschwörungstheorien (und andere gefährliche Richtungen) enorm.

Und Chemmies und Reichis in einen Topf? Nun ja, es gibt Schnittmengen und es gab auch schon mal riesige Schnittmengen. Aber erstens ist nicht jeder, der hinter Contrails Geoengineering vermutet, ein Reichi. Und zweitens gibt es einen markanten Unterschied - bei den Chemmies geht man von einer direkten persönlichen Betroffenheit aus. Aber lassen wir es gut sein, hoch lebe die Verallgemeinerung! Es ist doch so schön, wenn man komplexe Sachverhalte und Zusammenhänge schön einfach erklären kann, nicht? Das machen die Chemmies doch genauso. Strukturierendes und analytisches Denken kann man von einem Quambusch offenbar nicht erwarten.

Wer sich nicht genauer mit der Chemtrail-Verschwörungstheorie beschäftigt hat, glaubt natürlich solchen Veröffentlichungen wie dieser Doku („Ach, wie klug wir doch alle sind!“). Und so glauben Leute an Chemtrails, weil sie sich noch nie mit Kondensstreifen beschäftigt haben („Ach, wie aufgewacht wir doch alle sind!“). Diese beiden Gruppen haben gemeinsam, dass sie einfach Stuss glauben.

Konstruktiv und aufklärend sind beide Geschichten nicht.